stammt aus der Märkischen Allgemeinen, davon könnten sich die deutschen Nachrichtenagenturen mal eine Scheibe abschneiden:
Banges Warten

Nach dramatischen Plädoyers berät nun die Jury über Jacksons Schicksal
Teil 1 von 2
MARKUS GÜNTHER
WASHINGTON Am Ende kam noch einmal alles auf den Tisch. Sogar die im Schlafzimmer von Michael Jackson gefundenen (legalen) Porno-Magazine wurden nochmals auf eine Großbildleinwand im Gerichtssaal projiziert, und mit gespielter Entrüstung präsentierte Staatsanwalt Ron Zonen den Geschworenen "diese schlimmen Bilder". Mit der Anklage wegen Kindesmissbrauchs hat das nichts zu tun, aber es soll die Abgründe einer Persönlichkeit zeigen, der man auch zutraut, sich an kleinen Jungen zu vergehen. "Wir haben es hier schlicht mit der Ausbeutung und dem Missbrauch eines 13 Jahre alten Krebspatienten durch einen internationalen Star zu tun", resümierte Zonen nach dreieinhalb Prozessmonaten.
Die Geschworenen im kalifornischen Santa Maria folgten dem Plädoyer genauso ungerührt wie der Angeklagte: Michael Jackson, 46, saß mit versteinerte Miene da, als Zonen den Schuldspruch in zehn Anklagepunkten forderte. Dass er in wenigen Tagen im Gefängnis sitzen könnte, muss Jackson bewusst sein. Ein Urteil wird Anfang nächster Woche erwartet. Doch noch kann er auf einen anderen Ausgang hoffen, zumal sein Anwalt Thomas Mesereau sich kräftig ins Zeug legte, um die Unschuld seines Mandanten zu beweisen oder jedenfalls so viel Zweifel an der Anklage nachzuweisen, wie für einen Freispruch nötig wäre. "Sie haben ja gehört, wie aggressiv der Staatsanwalt mich angegriffen hat", sagte Mesereau gelassen zu den Geschworenen, "und Sie wissen, wenn ein Staatsanwalt so etwas tut, ist er in Schwierigkeiten. Er muss die Schuld zweifelsfrei nachweisen, und das kann er nicht."

Aber wem soll man hier glauben? Dem Angeklagten, der seine Freizeit am liebsten mit kleinen Jungs verbringt und - nach eigenen Angaben - gern das Bett mit fremden Kindern teilt? Oder der Familie des angeblichen Opfers, die sich bei jeder Gelegenheit an Stars herangeschmissen hat, um von ihnen Geld und Geschenke zu erbetteln? Einer Mutter, die einen Meineid geschworen hat, als es darum ging, Schmerzensgeld von den Sicherheitskräften eines Kaufhauses zu erstreiten, die sie verprügelt haben sollten, obwohl es ihr Ehemann war?
Die Geschworenen sind in einer bedauernswerten Lage. Und da sie einstimmig zu einem Urteil kommen müssen, sind Prognosen über den Ausgang des Verfahrens schwierig. Die meisten Beobachter erwarten gleichwohl, dass Jackson nicht in allen Anklagepunkten schuldig gesprochen wird. Sogar ein kompletter Freispruch scheint nicht ausgeschlossen.
Zonen dagegen charakterisierte Jackson als einen Serientriebtäter, der gezielt versuchte, hilfsbedürftige Jungen kennenzulernen. Mit Geschenken und Alkohol habe er sie gefügig gemacht, bevor er sie "in die verbotene Welt" des Sex einführte.
Jacksons Verteidiger zeichnete indes das Bild einer habgierigen Familie, die es nur auf das Schmerzensgeld abgesehen habe, das in einem späteren Zivilprozess zu erwarten sei, wenn Jackson strafrechtlich verurteilt wird. "Diese Familie will von Ihnen nur eines", sagte Mesereau zu den Geschworenen, "Sie sollen Michael verurteilen, Sie haben die Macht, diese Familie so reich zu machen, dass keiner von ihnen jemals wieder arbeiten muss."
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