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  • Flocke
    antwortet
    Zitat von rip.michael
    Der spiegel der eigenen wahrnehmung – wie oft hat er uns wohl schon reingelegt, in dem er vorgab, dass immer die anderen ein zerrbild zeichnen. Die wahrheit scheint ein höchst seltenes und extrem scheues geschöpf zu sein, es bewegt sich mitten unter uns und zeigt sich doch so selten in wahrhaftigkeit. Ist es, weil wir gar nicht mehr anders können, als einen spiegel vor uns herzutragen, einen der quasi zwingt, andere hineinzuschauen, aber uns selbst den blick hinein verwehrt?
    Ohne jetzt auf irgendeine esoterische Spur zu rutschen, faellt mir dazu ein kuerzlich gelesenes Buch von Jon Kabat-Zinn (<-lohnt sich, nach dem Mann mal zu googlen!) ein: Im Alltag Ruhe finden.
    Ein Buch ueber Meditation fuer "jeden". Es wird fuer seine Methode - "den Blick in und auf sich selbst zu richten" - keine religioese Gesinnung erwartet oder benoetigt.
    Und selbst ich, als (ich muss es nochmal betonen) bekennende Skeptikerin, bin der Meinung, dass im Grunde genommen wirklich jeder diese Moeglichkeit hat.
    Es wuerde zu weit fuehren, tiefer darauf einzugehen, da es auch gar nicht zum wirklichen Thema passt. - Aber vielleicht interessiert sich jemand dafuer - Youtube hat einige sehr gute (englischsprachige) Vortraege von dem Herrn online.
    Zuletzt geändert von Flocke; 04.06.2011, 22:42. Grund: da war ein H zuviel in der "Suppe"

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  • ANGEL-OF-PEACE
    antwortet
    Zitat von rip.michael Beitrag anzeigen
    Sry AoP – die ganze spiegelei passt nicht so recht zu dem zuletzt behandelten themenstrang im Philosopierthread.
    Warum Sorry bei mir und nicht bei November?
    Der Themen(zwischen)strang ergab sich aus verschiedene (vielleicht unverdaute) Situationen. So wie ich November verstanden habe, war es ihr ein Anliegen das Universum zu erkunden. Ich hoffe, sie konnte für sich Erkenntnisse gewinnen.
    Ich finde die ganze Spiegelei sehr interessant und passt perfekt zum Thema, finde ich.

    Immo ist mir das zuletzt angeschnittene zu komplex, um meine gedanken darin ‚spazieren gehen’ zu lassen, aber keinesfalls wenig spannungsgeladen.
    Es geht um die vorstellung des universums, die formen seiner erscheinung, diese netzstruktur und um die ausdehnung und die grenzen des universums. Wenn es keine grenzen gibt, auch keine zeitlichen – und das scheint so zu sein nach den bisherigen erkenntnissen – dann können unsere massstäbe, die dimension des universum i-wie begreifbar darzustellen zu können, eigentlich nur völligst unbrauchbar sein.
    Stimmt einerseits, das sind Spekulationen.
    Andererseits verlangt das Thema und der Mensch an sich, Verständnis über seine Existenz zu gewinnen. Wo kommen wir her, wo gehen wir hin. Das fragte sich bestimmt schon jeder mal.

    Könnte es nicht auch so sein, dass das universum in wirklichkeit (welche?) nur winzig mini klein ist und mit leichtigkeit in einem eiskristall ‚leben’ könnte, so wie in der einleitung zum weihnachts-fantasy-film „Der Grinch“ die welt der Whovilleianer mit samt der ganzen fantasie und dem kinozuschauer in einem eiskristall locker platz haben.
    Vielleicht ist ein eiskristall nicht einfach nur schöde-wissenschaftlich ein gebilde aus wasser uns sauerstoff, im aggregatzustand ‚gefroren’ – vielleicht ist es viel viel mehr.
    Selbst Steven Hawking als brillianter physiker hegte wohl ab und an solche gedanken, denn er schrieb ein buch mit dem titel: „Das Universum in der Nussschale“. Die vorstellung alleine setzt das begreifen von ‚gross’ und ‚klein’ schwuppdemang scheinbar ausser kraft – faszinierend würde Mr Spock sagen und dabei eine braue heben.
    Nichts ist, wie es scheint - eben genau wie bei der 'spiegelei' - passt dann doch wieder i-wie als anschluss.

    With L.O.V.E. and respect
    Lg rip.michael
    Faszinierend.

    Ich stellte mir unser Universum auch schon als ein Mini-Universum vor (anders als die Nussschale).

    1. These
    Das Universum ist wie ein Ball und ein überdimensionales Wesen spielt damit.

    2.These
    Das Universum ist im Sandkasten, im Eimer eines Kindes, das vielleicht zufällig spielte wodurch wir entstanden sind. Vielleicht schläft es jetzt noch, weil seine Nacht 20 Milliarden Jahre dauert und morgen, wenn es aufsteht, sein Eimer leert, ist alles vorbei, fertig aus.

    Ich beende mein Ratespiel.

    Der spiegel der eigenen wahrnehmung

    kam's, wie die jungfrau zum kinde ... auf einmal war's da!
    Genau Wahrnehmungen und Hinterfragungen passen gut zum Spiegel.

    Aber was ist mit den menschen, die auren farblich wahrnehmen können und die sich zutrauen, eine ableitung daraus zu erstellen?
    Spinner, (ent)zauberer, magier, quaksalber?? Wandler zwischen den welten?
    Ich würde sagen, nichts von alledem.
    Die Farben der Auren "spiegeln" ein momentaner Zustand, die sich im nächsten Augenblick auch verändern können.

    Da gibt es noch viel Interessantes in Deinem Beitrag, aber mein Bett schreit nach mir.

    @November, wo bleibst Du denn?

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  • rip.michael
    antwortet
    Eigentlich war's gar nicht absicht, mit dem folgenden hier aufzuschlagen, hatte was ganz anderes im sinn - ich werd's mir für einen anderen tag aufsparen.
    Zu dem gedanken

    Der spiegel der eigenen wahrnehmung

    kam's, wie die jungfrau zum kinde ... auf einmal war's da!

    Macht es sinn über die schönheit der farben zu streiten? Und das unter dem aspekt, dass wir menschliches gewürm nicht mal in der lage sind das volle farbspektrum wahrzunehmen?
    Wie weit geht es noch an beiden enden des sichtbaren spektrums? Niemand weiss es wirklich. Wissenschaftler fanden schon lange heraus, dass es noch mehr gibt, ausser dem was vom menschlichen auge wahrgenommen werden kann.

    Aber was ist mit den menschen, die auren farblich wahrnehmen können und die sich zutrauen, eine ableitung daraus zu erstellen?
    Spinner, (ent)zauberer, magier, quaksalber?? Wandler zwischen den welten?

    Im grund genommen sind alle kreaturen „augentierchen“ mal mit mehr, mal mit weniger oder gar keiner lichtempfindlichkeit ausgestattet. Oder mit einer überempfindlichkeit für die reflektion des lichts wie vor, s. auren. Ist das nur eine überempfindlichkeit oder ist es notwendig, für das empfinden von auren ‚den raum’ zu wechseln, wo das sehen von ansonsten nicht wahrnehmbarem normalität ist??

    Wenn man bedenkt, dass wir nur farben sehen können, weil das licht auf ein ‚ding’ fällt, reflektiert wird und je nach dem in welchem brechungswinkel, als farbe aus dem sichtbaren farbspektrum wahrgenommen wird. Schwarz ,schluckt’ das licht, weiss absorbiert es nahezu komplett und wird im extrem als blendend wahrgenommen. Eigentlich sind wir farbenblind, brauchen für's farbsehen ein medium, den dem fall das licht selbst ... auf das es uns 'unser' spektrum zeigt.

    Wie kommt es, dass kleine kinder zwar den gleichen weiss-blauen (in bayern ) ansonsten blau-weissen himmel wahrnehmen wie erwachsene, aber trotzdem in den allermeisten fällen in einer zeichnung die wolken blau darstellen und den himmel weiss? Ein nicht seltenes, aber von meiner sicht seltsames phänomen, und das erwachsenenhirn sorgt dafür, dass das wolkenphänomen in der realen farbwahrnehmung (weisse wolken, blauer himmel) erscheint. Es spiegelt sozusagen eine wahrnehmung wieder in die realität zurück. Ob ein kinderhirn automatisch auf diesen berichtigenden hirnmechanismus zurückgreift oder erlaubt sich das kinderhirn auch weiterhin die wolken blau und den himmel weiss zu sehen? Würde mich echt mal interessieren?

    Es fällt auf, dass in den letzten jahren viele kino/fernsehproduktionen auf den markt kamen, stark in richtung fantasy. Folgt das wachsen dieses genres eher der starken motivation der erschaffer oder folgt die fantasy-welle dem wachsenden allgemeinbedürfnis, in diesen fantastischen spiegel der wahrnehmung zu blicken?… oder vielmehr durch ihn hindurch? Zeitweilige realitätsflucht als gegengewicht zur tägliche real-brutalen welt?
    Nicht wenige geschichten/filme dient ein spiegel als eingangspforte in die fantasie der geschichte. Nicht selten dient ein spiegel dazu, die grauenvollen plagegeister, die in albträumen erscheinen und ihr unwesen treiben, erst sichtbar zu machen. Gutmütige oder hinterfotzige wassergeister zeigen sich, wenn man einen blick auf einen wasserspiegel wirft.
    Das ganze ausmass der unterwasserherrschaft zeigt sich, wenn man den blick unter den wasserspiegel wagt, ganz real.
    Der spiegel der wahrheit ist in wirklichkeit ein heuchler, der seinen betrachter nach dem munde redet – und wir haben eine diebische freude daran, wenn der fantastische spiegel uns nix vormachen kann, die böse königliche stiefmutter braucht gar nicht in den spiegel zu schauen, um ihre boshaftigkeit und eifersucht zu zeigen.

    Die zerrspiegel, die man früher oft auf volksfesten finden konnten, sind rechte clowns. Sie zeigen einen untersetzten braatooscherdn (breitärschigen) mit einem minikopf – wir lachen über diese clowneske und doch sehen uns anderen in der realität zuweilen genauso. Jemand mit raumgreifendem sitzfleisch, unbeweglich und mit wenig platz für hirnschmalz.
    Andere zerrspiegel zeigen die bohnenstange mit dem E.T.förmigen kopf auf einem girgl-hals – eine figur, die wegen ihrer extremen gestrecktheit immer ‚den kopf in den wolken hat’ – hihi spinner und wolkenkuckucksheimer, das ist ja i-wo sympatisch und liebenswert. So wie unser ‚spinner’ (bitte s-p-inner lesen und spinner denken = erlaubt!) Michael?!
    Einem changeling vor dem herrn!? Wie wunderbar!


    O ja, der spiegel der selbstwahrnehmung und fremdwahrnehmung, wie virituos und eingängig, originell und witzig arbeitet Michael damit in Ghosts. Die rahmenhandlung an sich ist ja nix bahnbrechend neues, ich finde sie ist stark inspiriert von „Edward mit den Scherenhänden“ – wen wundert’s: Michael mochte den film sehr und hat die fantasie hinter der fantasie in Ghosts genial zum leben erweckt. Er mochte den film sehr, besass sogar eine replik des schauerlichschönen beieindruckenden scherenapparates.

    Der spiegel der eigenen wahrnehmung – wie oft hat er uns wohl schon reingelegt, in dem er vorgab, dass immer die anderen ein zerrbild zeichnen?! Die wahrheit scheint ein höchst seltenes und extrem scheues geschöpf zu sein, es bewegt sich mitten unter uns und zeigt sich doch so selten in wahrhaftigkeit. Ist es, weil wir gar nicht mehr anders können, als einen spiegel vor uns herzutragen, einen der quasi zwingt, andere hineinzuschauen, aber uns selbst den blick hinein verwehrt?

    So … nun bin ich ganz ohne absicht und ziel durch verschiedene spiegel gelaufen, hab gar nix besonderes gesucht, weiss nicht, wer oder was mich zu dieser spiegelreise geführt hat … ist auch egal.

    Wohin führt euch der spiegel der eigenen wahrnehmung?
    Heute noch – oder morgen vielleicht??


    Sry AoP – die ganze spiegelei passt nicht so recht zu dem zuletzt behandelten themenstrang im Philosopierthread.
    Immo ist mir das zuletzt angeschnittene zu komplex, um meine gedanken darin ‚spazieren gehen’ zu lassen, aber keinesfalls wenig spannungsgeladen.
    Es geht um die vorstellung des universums, die formen seiner erscheinung, diese netzstruktur und um die ausdehnung und die grenzen des universums. Wenn es keine räumlichen grenzen gibt, auch keine zeitlichen – und das scheint so zu sein nach den bisherigen erkenntnissen – dann können unsere massstäbe, die dimension des universum i-wie begreifbar darzustellen zu können, eigentlich nur völligst unbrauchbar sein.

    Könnte es nicht auch so sein, dass das universum in wirklichkeit (welche?) nur winzig mini klein ist und mit leichtigkeit in einem eiskristall ‚leben’ könnte, so wie in der einleitung zum weihnachts-fantasy-film „Der Grinch“ die welt der Whovilleianer mit samt der ganzen fantasie inclusive dem kinozuschauer in einem eiskristall locker platz haben.
    Vielleicht ist ein eiskristall nicht einfach nur schöde-wissenschaftlich ein gebilde aus wasser und sauerstoff, im aggregatzustand ‚gefroren’ – vielleicht ist es viel viel mehr?!
    Selbst Steven Hawking als brillianter physiker hegte wohl ab und an solche gedanken, denn er schrieb ein buch mit dem titel: „Das Universum in der Nussschale“. Die vorstellung alleine setzt das begreifen von ‚gross’ und ‚klein’ schwuppdemang scheinbar ausser kraft – faszinierend würde Mr Spock sagen und dabei ungerührt eine braue heben.

    Nichts ist, wie es scheint - eben genau wie bei der 'spiegelei' - passt dann doch wieder i-wie als anschluss.

    With L.O.V.E. and respect
    Lg rip.michael
    Zuletzt geändert von rip.michael; 05.06.2011, 11:38. Grund: dybbveeellär + ergänzung

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  • ANGEL-OF-PEACE
    antwortet
    Schade, dass dieses spannende Thema unbeachtet bleibt.

    Zitat von November Beitrag anzeigen
    Wußtet ihr, dass es im Universum tatsächlich so aussieht?
    Ja, ich schon, dem Hubble-Teleskop sei Dank.

    Eine waben- oder netzartige Struktur, mit (scheinbaren, vermutlich aber aus dunkler Materie bestehend) Hohlräumen und Regionen, in welchen es Materie (Galaxien usw.) gibt, die jedoch untereinander durch eine Art Filamente verbunden sind. Es hat mich sehr beeindruckt.
    Diese netzartige Struktur wurde vermutlich aus Gaswolken (Explosionsreste) gebildet. Ja, es soll dunkle Materie geben. Auch dunkle Energie wird von Kosmologen vermutet, welche die Kraft, die Materie antreibt, sein soll.

    .......vielleicht (oder sogar bestimmt?) ist es so, dass das Universum mit der Zeit immer komplexer wird. Nachdem anfangs alles aus reiner Energie (grob beschrieben) bestand und sehr heiß und sehr dicht war, kam es mit der Abkühlung zu einer bestimmten Ordnung. (Elementar-)Teilchen fanden sich in bestimmten Ordnungen zusammen und so entstand, was heute alles da ist (wobei wir wahrscheinlich nur einen Bruchteil von dem kennen, was es sonst noch so im Universum gibt). Aus dem unendlich Kleinen, entstand unendlich Großes (auf die Dimensionen bezogen).
    Das Universum expandiert. Wir wissen nicht, ob es eine Grenze gibt. Zu diesem Thema existieren mehrere Theorien.
    Würde es eine Grenze geben, könnte das Universum irgendwann explodieren/implodieren.
    Würde es keine Grenze geben, dann würden irgendwann (in X-Milliarden Jahren) alle Sterne erlischen.

    Ich finde die "reine Energie" sehr treffend beschrieben. Diese "reine Energie" (beim Urknall) bestand aus Wasserstoff und Helium.


    Und ich denke auch, dass alles nicht aus sich selbt heraus besteht und sich entwickelte, sondern sich in Abhängigkeit von vorausgegangenen Zuständen entwickelt(e). Vielleicht gibt oder gab es eine größerer Zahl von Möglichkeiten, wie sich etwas zusammenfinden kann und nach einer solchen Möglichkeit hat es sich dann weiterentwickelt usw. Vielleicht begrenzt sich auch die Zahl der "Entwicklungsmöglichkeiten" mit den weiteren Stufen immer weiter, das halte ich auch für möglich. Eventuell geht mit fortschreitender Komplexität, eine Einschränkung zu weiteren Entwicklungen bzw. Stufen einher......
    Auch hier gehen die Meinungen auseinander.
    Wenn wir beim Urknall von "reine Energie" ausgehen, dann hätte es zu diesem Zeitpunkt noch keine Materie gegeben. Die Materie wäre die Folge der Explosion gewesen.

    Wir wissen einfach noch zu wenig über die wirkliche Dimension des Universums. So bleibt nichts anderes übrig als Thesen aufzustellen und spekulieren.

    Hier eine Doku, die vor ein paar Wochen im Nachrichtensender N-tv ausgestrahlt wurde:







    LG

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  • November
    antwortet
    Wußtet ihr, dass es im Universum tatsächlich so aussieht?

    BD1BFD36787B70613DED5EA727862.jpg

    Eine waben- oder netzartige Struktur, mit (scheinbaren, vermutlich aber aus dunkler Materie bestehend) Hohlräumen und Regionen, in welchen es Materie (Galaxien usw.) gibt, die jedoch untereinander durch eine Art Filamente verbunden sind. Es hat mich sehr beeindruckt.

    Näheres dazu kann man in diesem Artikel nachlesen (den ich jetzt doch mal nur als Link einfüge, es sind drei Seiten und man kann sich durchblättern - unten auf der Seite; es gibt dort auch noch mehr Aufnahmen und Grafiken zu sehen): http://weltderwunder.de.msn.com/tech...ntid=153041520.

    .......vielleicht (oder sogar bestimmt?) ist es so, dass das Universum mit der Zeit immer komplexer wird. Nachdem anfangs alles aus reiner Energie (grob beschrieben) bestand und sehr heiß und sehr dicht war, kam es mit der Abkühlung zu einer bestimmten Ordnung. (Elementar-)Teilchen fanden sich in bestimmten Ordnungen zusammen und so entstand, was heute alles da ist (wobei wir wahrscheinlich nur einen Bruchteil von dem kennen, was es sonst noch so im Universum gibt). Aus dem unendlich Kleinen, entstand unendlich Großes (auf die Dimensionen bezogen).

    Und ich denke auch, dass alles nicht aus sich selbt heraus besteht und sich entwickelte, sondern sich in Abhängigkeit von vorausgegangenen Zuständen entwickelt(e). Vielleicht gibt oder gab es eine größerer Zahl von Möglichkeiten, wie sich etwas zusammenfinden kann und nach einer solchen Möglichkeit hat es sich dann weiterentwickelt usw. Vielleicht begrenzt sich auch die Zahl der "Entwicklungsmöglichkeiten" mit den weiteren Stufen immer weiter, das halte ich auch für möglich. Eventuell geht mit fortschreitender Komplexität, eine Einschränkung zu weiteren Entwicklungen bzw. Stufen einher.......
    Zuletzt geändert von November; 24.05.2011, 08:12.

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  • ANGEL-OF-PEACE
    antwortet
    Vielleicht sollten wir uns den gegenwärtigen Erkenntnissen nähern.
    Die Kosmologie fällt in den Bereich der Grenzwissenschaften.
    Wie die Bezeichnung selbst sagt, werden uns hier Grenzen gesetzt, da diese Wissenschaften nicht abgeschlossen und somit kontinuierlich erforscht werden.

    Vielleicht sollten wir uns zu diesen Themen eine Fragestellung überlegen?

    11. März 2010
    Erstmals überprüft: Verteilung und Bewegung ferner Galaxien stimmt mit den Vorhersagen der Allgemeinen Relativitätstheorie überein

    Berkeley (USA) - Die Allgemeine Relativitätstheorie Einsteins beschreibt die Schwerkraft als Krümmung von Raum und Zeit - und ist ein Grundpfeiler der modernen Kosmologie. Doch bislang konnte diese fundamentale Theorie nur innerhalb des Sonnensystems überprüft werden. Ein internationales Forscherteam hat die Relativitätstheorie nun erstmals auf kosmologischen Skalen von Milliarden von Lichtjahren getestet. Das Ergebnis, so berichten die Wissenschaftler im Fachblatt "Nature", ist in guter Übereinstimmung mit den Vorhersagen der Allgemeinen Relativitätstheorie. Alternative Theorien lassen sich mit der derzeitigen Genauigkeit aber noch nicht völlig ausschließen.
    "Der Vorteil einer Untersuchung auf kosmologischen Skalen ist, dass wir direkt alternative Theorien der Schwerkraft überprüfen können", erläutert Uros Seljak von der University of California in Berkeley, einer der beteiligten Forscher, "denn diese Theorien machen Vorhersagen über das, was wir beobachten können." Insbesondere hänge die Entwicklung großräumiger Strukturen im Kosmos wie beispielsweise Galaxienhaufen vom genauen Verlauf der Gravitation ab.

    Der von Seljak und seinen Kollegen angewandte Test kombiniert deshalb Messungen der Verteilung der Galaxien auf großen Skalen, der zeitlichen Entwicklung großräumiger Strukturen im Kosmos und des großräumigen Gravitationslinseneffekts, also der Lichtablenkung an diesen großräumigen Strukturen. Die Forscher verwendeten die Daten von über 70.000 leuchtkräftigen Galaxien mit einer mittleren Entfernung von 5,5 Milliarden Lichtjahren sowie von 30 Millionen Hintergrundgalaxien aus dem Sloan Digital Sky Survey (SDSS), der bislang größten Galaxien-Durchmusterung des Himmels.

    Die Kombination der Daten ergab einen Prüfwert für die Gravitation von 0,39 ± 0,06, die Allgemeine Relativitätstheorie sagt einen Wert von 0,4 voraus. Anhand der Messungen von Seljak und seinen Kollegen lässt sich damit bereits ein spezielles Modell der so genannten Tensor-Vektor-Skalar-Gravitationstheorie verwerfen. Doch viele andere alternativen Theorien sind im Rahmen der Messgenauigkeit noch mit den Ergebnissen verträglich. Bereits die nächste Generation der Galaxien-Durchmusterungen sollte aber, so die Forscher, eine endgültige experimentelle Unterscheidung zwischen der Allgemeinen Relativitätstheorie und alternativen Gravitationstheorien möglich machen.
    (c) Wissenschaft aktuell
    Donnerstag, 21. April 2011
    Hatte das frühe Universum nur eine Dimension?
    Buffalo/ USA - US-Forscher erarbeiten derzeit einen Test für ihre Theorie, nach der das frühe Universum nur eine Dimension hatte. Sollte sich dieses Konzept bestätigen lassen, könnte es grundlegende physikalische Fragen beantworten.

    Die Theorie eines frühen eindimensionalen Universums wurde zum ersten Mal 2010 von einem Team von Wissenschaftlern um Dejan Stojkovic von vorgestellt. Grundlage der Theorie ist die Annahme, dass das Universum aus einem einzigen winzig kleinen Punkt heraus, explosionsartig im sog. Urknall entstand. Zunächst sei es (wie etwa eine gerade Linie) eindimensional gewesen, habe sich dann in die Fläche zu zwei und danach zu den drei (oder mehreren) Dimensionen ausgedehnt, die wir heute kennen.

    In einem Artikel, der im Fachmagazin "Physical Review Letters" veröffentlicht wurde, beschreiben Stojkovic (University at Buffalo) und Jonas Mureika von der "Loyola Marymount University" nun, wie sie die Theorie zukünftig auf die Probe stellen wollen.

    Grundlage für diesen Test ist der Umstand, dass wir aufgrund der Zeit, die das Licht braucht, um durch die Weiten des Raums zur Erde zu gelangen, mit Teleskopen rückwärts in der Zeit blicken können, je weiter wir das von uns entfernte Weltall betrachten und sogenannte Gravitationswellen (also Wellen in der Raumzeit, die den Raum durchqueren und ihn dabei stauchen und strecken und anhand ihrer Auswirkungen auf astronomische Objekte indirekt nachgewiesen werden können) nicht in einem ein- oder nur zweidimensionalen Raum existieren können.
    Mit der "Laser Interferometer Space Antenna" (LISA), einem international geplanten Weltraumobservatorium für den Nachweis von Gravitationswellen, wollen die Forscher zurück in die Zeit blicken und erwarten für den Fall, dass ihre Theorie stimmt, hier in den frühen Epochen des Universums, keine Gravitationswellen vorfinden zu können.

    "Die Vorstellung von sich nach und nach entwickelnden Dimensionen stellt eine völlige Abkehr von den bisherigen Theorien über den Kosmos und darüber dar, wie unser Universum entstanden ist", so Stojkovic über seine Theorie.

    "Die Grundidee ist jene, dass die Dimensionalität des Raumes von dessen Größe abhängt. Kleinere 'Räume' hätten demnach weniger Dimensionen als größere. Zugleich würde dies bedeuten, dass sich - sollte dies nicht schon passiert sein - eine vierte (und weitere) Dimensionen 'öffnen', sobald durch die Ausdehnung des Universums auch mehr Raum entsteht." Das frühe hochenergetische Universum, unmittelbar nach dem Urknall, sollte also weniger Dimensionen haben als das heutige.

    Sollte sich diese Theorie bestätigen lassen, würde dies helfen, einige der bisherigen Probleme angesichts vieler Probleme angesichts des physikalischen Standardmodells zu verstehen.

    So könnte, laut den Forschern, die Theorie die heutigen vermeintlichen Gegensätze von Quantenmechanik, wie sie das Universum im kleinsten Maßstab beschreibt, und die die Dinge im Großen beschreibende Relativität erklären.

    - Auch würde die Theorie ein neues Licht auf Fragen nach der beschleunigten Expansionsrate des Universums werfen, wie sie bislang noch nicht beantwortet wurden - sollte sich diese Ausdehnung erwartungsgemäß doch eigentlich abschwächen. Hier könnten mit zunehmender Ausdehnung des Universums hinzukommende Dimensionen also die zu beobachtende Beschleunigung durchaus erklären.

    - Selbst für die Teilchenphysik, würde die bislang notwendige Anpassung der Masse sogenannter "Higgs-Boson"-Teilchen angesichts weniger Dimensionen bei höherer Energie entfallen.

    "Seit bis zu 30 Jahren schlagen sich Physiker mit diesen und anderen Problemen herum und lediglich die Ausweitung bereits vorhandener Ideen, wird diese wahrscheinlich nicht lösen können", so Stojkovic. "(...) Wir müssen also die Möglichkeit in Betracht ziehen, dass irgendetwas an unseren bisherigen Vorstellungen grundlegend falsch sein könnte. Wir brauchen also etwas radikal Neues und unsere Theorie ist genau das."

    Bis zum eigentlichen Test ihrer Theorie mit dem LISA-Observatorium müssen sich die Forscher jedoch noch auf ungewisse Zeit gedulden, da der Start des Weltraumteleskops als Gemeinschaftsprojekt von NASA und ESA bislang erst für 2019 oder sogar noch später vorgesehen ist.

    Doch schon jetzt glauben die Wissenschaftler um Stojkovic Hinweise auf eine frühere geringere Dimensionalität des Universums gefunden zu haben: "(Andere) Wissenschaftler haben beobachtet, dass der Fluss von kosmischen Strahlenpartikeln mit Energiepotentialen von mehr als einem Tera-Elektronenvolt - also jener Hochenergie, wie sie im frühen Universum angenommen wird, sich in einer zweidimensionalen Ebene ausbreitet. Auch mit dem Large Hardon Teilchenbeschleuniger (LHC) am Europäischen Kernforschungszentrum CERN sollten entsprechend hohe Energien mit einer zweidimensionalen flächenmäßigen Verteilung gemessen werden können und würden dann, so Stojkovic, eine "sehr aufregende und unabhängige Bestätigung der von uns vorgeschlagenen Theorie darstellen.
    Quelle: grenzwissenschaft-aktuell.de
    Mittwoch, 11. Mai 2011
    Kohlenstoff: Grundlegende Frage zur Entstehung des Lebens gelöst
    Bonn/ Deutschland - Damit in den Sternen Kohlenstoff, die Grundlage des Lebens, entstehen kann, spielt eine bestimmte Form des Kohlenstoffkerns eine entscheidende Rolle. Physiker der "Universität Bonn" und der "Ruhr-Universität Bochum" haben jetzt gemeinsam mit US-Kollegen diesen legendären Kohlenstoffkern berechnet. Damit haben sie ein Problem gelöst, das die Wissenschaft seit mehr als 50 Jahren vor Rätsel gestellt hat.

    "Seit 1954 hat man vergeblich versucht, den sog. Hoyle-Zustand zu berechnen", berichtet Professor Dr. Ulf-G. Meißner (Helmholtz-Institut für Strahlen- und Kernphysik der Universität Bonn), "und wir haben es jetzt geschafft!" Der Hoyle-Zustand ist eine energiereiche Form des Kohlenstoffkerns. Er ist der Bergpass, über den man von einem Tal ins andere gelangt: von drei Kernen des Gases Helium zum sehr viel größeren Kohlenstoffkern. Diese Verschmelzungsreaktion findet im heißen Inneren schwerer Sterne statt. Gäbe es den Hoyle-Zustand nicht, hätten im Weltall nur sehr wenig Kohlenstoff oder andere höhere Elemente wie Sauerstoff, Stickstoff und Eisen entstehen können. Ohne diese Art von Kohlenstoffkern wäre daher vermutlich auch kein Leben möglich gewesen. Die Forscher veröffentlichten ihre Ergebnisse in kommenden Ausgabe des "Fachblatts Physical Review Letters".
    Bereits im Jahr 1954 hat man den Hoyle-Zustand experimentell nachgewiesen, aber seine Berechnung scheiterte stets. Denn diese Form des Kohlenstoffs besteht lediglich aus drei sehr lose gebundenen Heliumkernen − ein eher wolkiger diffuser Kohlenstoffkern. Und er liegt nicht einzeln vor, sondern stets zusammen mit anderen Formen von Kohlenstoff. "Das ist, wie wenn sie ein Radiosignal untersuchen wollen, bei dem ein Hauptsender und mehrere schwächere Sender überlagert sind", erläutert Prof. Dr. Evgeny Epelbaum (Institut fürr Theoretische Physik II der Ruhr-Universität Bochum). Der Hauptsender ist der stabile Kohlenstoffkern, aus dem unter anderem auch der Mensch aufgebaut ist. "Wir interessieren uns aber für einen der instabilen, energiereichen Kohlenstoffkernen, also müssen wir irgendwie mit einem Rauschfilter den schwächeren Radiosender von dem dominierenden Signal abtrennen."

    Möglich wurde das mit einer neuen, besseren Rechenmethode der Forscher, welche die Kräfte zwischen mehreren Kernbausteinen präziser als zuvor berechnet. Mit "JUGENE", dem Supercomputer am Forschungszentrum Jülich, stand auch das passende Werkzeug parat. Eine knappe Woche hat JUGENE gerechnet. Das Rechenergebnis stimmt so gut mit den experimentellen Daten überein, dass die Forscher sicher sein können, den Hoyle-Zustand tatsächlich von Grund auf berechnet zu haben.

    "Jetzt können wir diese spannende und wichtige Form von Kohlenstoffkern ganz genau untersuchen“, erläutert Prof. Meißner. "Wir werden schauen, wie groß er ist und wie er aufgebaut ist. Und damit können wir jetzt auch die gesamte Kette der Elemententstehung unter die Lupe nehmen."

    Sogar philosophische Fragen sind in Zukunft vermutlich wissenschaftlich zu beantworten. Seit Jahrzehnten gilt der Hoyle-Zustand als Paradebeispiel für die Theorie, dass die Naturkonstanten bei der Entstehung unseres Universums genauso und nicht anders aufeinander abgestimmt sein mussten, da wir sonst nicht hier wären, um das Universum zu beobachten (Anthropisches Prinzip). "Für den Hoyle-Zustand heißt das: Er muss genau diese Energie haben, die er hat, weil es uns sonst nicht gäbe", sagt Prof. Meißner. "Wir können jetzt berechnen, ob in einer veränderten Welt mit anderen Parametern der Hoyle-Zustand im Vergleich zur Masse von drei Heliumkernen tatsächlich eine andere Energie hätte." Wenn dem so ist, spräche das für das anthropische Prinzip.

    Mitgewirkt an der Studie haben die "Universität Bonn", die "Ruhr-Universität Bochum", die "North Carolina State University" und das "Forschungszentrum Jülich".
    Quelle: grenzwissenschaft-aktuell.de
    Mittwoch, 18. Mai 2011
    Mysteriöse Ausrichtung planetarer Nebel im galaktischen Zentrum entdeckt
    Der auch als Schmetterlingsnebel bezeichnete längliche planetarische Nebel "Minkowski 2-9" im Sternbild Schlangenträger

    Manchester/ England - Britische Astronomen sind bei Beobachtungen von länglichen planetaren Nebeln im galaktischen Zentrum auf ein bislang unerklärliches Phänomen gestoßen, scheinen sich doch zahlreiche gasförmigen Überreste einstiger Sterne parallel zur galaktischen Eben auszurichten und somit einem mysteriösen Muster zu folgen.

    Wie Bryan Rees von der "University of Manchester" im vergangenen Monat auf dem Treffen der "National Astronomy Meeting" in Llandudno berichtete, untersuchte er die Ausrichtung von 44 solcher Nebel und verglich seine Beobachtungen mit früheren ähnlichen Studien.

    Entsprechende Nebel, so vermuten Astrophysiker entstehen durch das Zwischenspiel von Doppelsternsystemen. Während der alternde Stern seine Gase ins All bläst, werden diese vom verbleibenden Stern eingefangen und beginnen diesen zu umkreisen, wodurch sich der planetare Nebel entlang der Ebene, auf der sich die beiden Sterne umkreisen ausdehnt. Eine gemeinsame Ausrichtung mehrer solcher Strukturen, wäre also ein mehr als ungewöhnliches Phänomen.

    Eine Erklärung könnte jedoch daraufhin deuten, dass auch die Rotationsebenen dieser binären Sternsysteme sich durch eine noch unbekannte Kraft in der Galaxis orientieren. Hierfür könnten ehemals starke magnetische Felder im Bereich des zentralen Bereichs der Milchstraße (Bulge) verantwortlich sein.

    Kritiker hingegen vermuten, dass es sich um einen Beobachtungsfehler handelt oder, dass anders verlaufende Ausrichtungen wahrscheinlich ebenso häufig zu finden seien, wenn man nur lange genug danach suchen würde.
    Quelle: grenzwissenschaft-aktuell.de
    LG
    Zuletzt geändert von ANGEL-OF-PEACE; 22.05.2011, 02:22. Grund: 11./18. Mai 2011

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  • November
    antwortet
    Danke für den Tipp, @Flocke. Allerdings gibt es auch Leute, die nicht so gerne noch zusätzlich einen Link anklicken möchten und es lieber im oder als Posting lesen. Auch ist der Artikel schon recht alt, so dass es möglich wäre, dass er irgendwann rausgenommen wird und nicht mehr unter dem Link abrufbar ist. So haben wir ihn hier wenigstens "konserviert".

    An der Länge ändert die Art des Einstellens sowieso nicht. Wer es lesen möchte, wird es so oder so lesen (wenn nicht hier, muß er/sie sich auf der eigentlichen Webseite durchlesen- und scrollen).....und wer nicht, dann nicht. In beiden Fällen muß man dann eben ein bißchen scrollen - aber ich denke, es gibt Schlimmeres.


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    Habe noch einen Artikel zu dem Thema gefunden. Er ist von 2006 und auch aus dem Spiegel und er ist auch nicht gerade kurz, aber nicht so extrem lang wie der letzte.......

    Vor dem Urknall
    Blick in Gottes letzten Schlupfwinkel

    Von Markus Becker

    Was war vor dem Urknall? Viele Forscher halten schon die Frage für Unfug, da es keine Zeit vor dem Beginn der Zeit selbst geben könne. Doch Physiker suchen immer intensiver nach einem Weltall vor dem unseren - und wollen es jetzt erstmals mathematisch gefunden haben.

    Am Anfang war ein Knall. Es folgten einige hundert Millionen Jahre tiefster Finsternis, bis die ersten Sterne zündeten, mit ihrem Fusionsfeuer die heute bekannten Elemente produzierten und dem beobachtbaren Universum seine gegenwärtige Gestalt gaben. So etwa - natürlich grob vereinfacht - ist nach vorherrschender Meinung das Weltall entstanden. Was aber war vor dem Urknall? War da überhaupt etwas? Und, falls ja, wie und warum hat es den Urknall ausgelöst?

    Viele Physiker halten schon diese Fragen für unwissenschaftlich: Da mit dem Urknall nicht nur der Raum, sondern auch die Zeit entstanden sei, sei es unsinnig, die Frage nach einer Zeit davor zu stellen. So ist die Zeit vor dem Urknall gewissermaßen auch Gottes letzter Schlupfwinkel: ein Bereich, der vor dem Zugriff der alles erklären wollenden Naturwissenschaft sicher ist und allein der Religion - oder aber der Philosophie - vorbehalten ist.

    Doch das könnte sich bald ändern: Forscher haben nach eigenen Angaben eine physikalische Theorie über die Natur von Raum und Zeit so weit verfeinert, dass sie auch dort noch funktioniert, wo alle anderen Modelle wie Einsteins Relativitätstheorie und die Quantenmechanik versagen: In unmittelbarer zeitlicher Nähe des Urknalls und sogar darüber hinaus. Man habe "Fäden gefunden, die in eine frühere Zeit führen" - in die Zeit vor der Entstehung unseres heutigen Universums.


    "Big Bounce" statt "Big Bang"

    Verfolgt man die Entwicklung des Universums bis an dessen Anfänge zurück, bekommt die klassische Physik ein Problem: Die Krümmung der Raumzeit wird irgendwann unendlich und nähert sich der sogenannten Singularität, dem Nullpunkt des Universums. Sowohl Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie, die Raum und Zeit im Großen beschreibt, als auch die Quantenmechanik für die Welt im Kleinsten brechen zusammen.

    "Mit der allgemeinen Relativität kann man das Universum nur bis zu dem Punkt beschreiben, an dem die Materie so dicht wird, dass die Gleichungen nicht mehr funktionieren", sagt Abhay Ashtekar, Direktor des Institute for Gravitational Physics and Geometry an der Pennsylvania State University in den USA. "Jenseits dieses Punktes müssen wir Quanten-Werkzeuge einsetzen, die Einstein noch nicht zur Verfügung standen."

    Der Physiker gehört mit der Erfindung der nach ihm benannten Ashtekar-Variablen zu den Begründern der sogenannten Schleifen-Quantengravitation, auch bekannt als "Loop Quantum Gravity". Mit Hilfe dieser Theorie, so glauben Ashtekar und seine Kollegen Tomasz Pawlowski und Parampreet Singh, ist ihnen Erstaunliches gelungen: Sie haben ein Modell entwickelt, das Aussagen über ein Universum vor dem Urknall ermöglicht.


    Erst zerknüllt, dann aufgebläht

    Für diese Zeit habe der Computer ein Universum errechnet, das sich zu einem "Big Crunch" zusammenzieht, ansonsten aber in seiner Raumzeit-Geometrie unserem All verblüffend ähnelt. Deshalb sei unser Universum auch nicht in einem Knall aus dem Nichts entstanden. Vielmehr habe es eine Art Abpraller gegeben - einen "Big Bounce" statt eines "Big Bang". Gab es also gar keinen Anfang aller Dinge namens Urknall, sondern wurde ein früheres Universum auf kleinste Maße zerknüllt, nur um sich prompt wieder zu einem neuen All aufzublähen? Das Universum, eine titanische Ziehharmonika?

    Genau das ist der Fall, glaubt man der Theorie von Ashtekar und seinen Kollegen, die in der aktuellen Ausgabe der "Physical Review Letters" erschienen ist. Die Gravitation habe das frühere Universum so weit zusammengezogen, dass die Quanteneigenschaften die Schwerkraft schließlich umgekehrt und in eine abstoßende Kraft verwandelt hätten. Durch das Kombinieren von Quantenphysik und allgemeiner Relativität habe sein Team zeigen können, "dass es tatsächlich einen Quanten-Rückstoß gibt", erklärt Ashtekar.

    Dass die Gleichungen am Ende ein weiteres "klassisches Universum vor einem Urknall" ergeben hätten, sei so überraschend gewesen, dass man die Rechnungen monatelang mit verschiedenen Parametern geprüft habe. "Aber wir haben herausgefunden, dass das Big-Bounce-Szenario robust ist", so Ashtekar.


    Besteht das Universum aus winzigen Schleifen?

    Die Vorstellung, dass vor unserem jetzigen Universum bereits ein weiteres existierte, ist zwar nicht neu, räumen die Forscher ein. Doch sie seien die Ersten, denen es gelungen sei, die Existenz eines solchen Vor-Universums systematisch zu begründen und Rückschlüsse über dessen Raumzeit-Geometrie zu ziehen.

    Der Einsatz der Schleifen-Quantengravitation habe das ermöglicht, erklären die Wissenschaftler. Das Rechenwerk ist neben der String-Theorie einer der meistversprechenden Ansätze, die bisher unvereinbaren Gegensätze zwischen Einsteins Relativitätstheorie und der Quantenmechanik zu überbrücken.

    Die Schleifen-Quantengravitation besagt unter anderem, dass Raum und Zeit nicht vollkommen kontinuierlich verlaufen, wie es für Menschen den Anschein hat, sondern aus einem Gewebe kleinster Schleifen bestehen. Wie in Einsteins Relativitätstheorie ist es auch hier die Krümmung der Raumzeit, die für die Schwerkraft sorgt.

    Ashtekar und seine Kollegen haben diese Theorie, die eigentlich die Wechselwirkungen zwischen Elementarteilchen beschreiben soll, auf das gesamte Universum angewandt. Auf dem Weg in die immer fernere Vergangenheit hätten die Formeln zunächst zu ähnlichen Ergebnissen geführt wie die klassische Kosmologie. An dem Punkt aber, wo alle anderen Gleichungen versagten, habe die Schleifentheorie gehalten.


    Geteiltes Echo auf Ashtekar-Studie

    Das hat zwar schon vor zwei Jahren der deutsche Physiker Martin Bojowald ausgerechnet, der damals am Potsdamer Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik gearbeitet hat und jetzt wie Ashtekar an der Pennsylvania State University tätig ist. Doch Ashtekar und seine Kollegen glauben, die Theorie noch einen Schritt weitergebracht zu haben - über den Urknall hinaus.

    Wenn sich die Raumzeit auflöst, so ihr Ergebnis, widersetzen sich die winzigen Schleifen einer weiteren Verdichtung. Der Stoff, aus dem die Raumzeit gemacht ist, werde "brutal zerrissen" - und die Gravitation verwandle sich durch die Quanteneffekte in eine stark abstoßende Kraft, die den Zusammensturz des Universums stoppe. Unmittelbar danach sortieren sich die Schleifen der Theorie zufolge wieder in ein glattes Raumzeit-Gefüge und sorgen für eine explosive Ausdehnung des Alls.

    Andere Wissenschaftler lobten die Arbeit von Ashtekars Team. Die Ähnlichkeiten zwischen String-Theorie und Schleifen-Quantengravitation bei der Beschreibung des Universums nach dem Urknall seien ermutigend, sagte Joe Lykken vom Fermilab in Batavia, Illinois dem Magazin "New Scientist": "Endlich sprechen wir die gleiche Sprache."


    Suche nach messbaren Spuren des Vor-Universums

    Andere Forscher reagieren jedoch skeptischer auf Ashtekars Studie. "Zu simplistisch", meint Hermann Nicolai, Direktor am Potsdamer Max-Planck-Institut für Gravitationsphysik, im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. "Das Modell besteht aus einer drastischen Vereinfachung der Gleichungen."

    Das Universum beruhe auf zahlreichen, möglicherweise gar unendlich vielen Variablen. Ashtekar aber reduziere alles auf zwei Größen. Sein Modell basiere unter anderem auf der Annahme eines Universums, "das vollkommen leer ist und in alle Richtungen gleich aussieht". "Ich persönlich habe starke Zweifel, dass man damit dem Problem wirklich zu Leibe rücken kann", sagte Nicolai, der den Artikel von Ashtekar und seinen Kollegen vor der Veröffentlichung in den "Physical Review Letters" als unabhängiger Experte begutachtet hat.

    Zudem heize sich das Universum auf, je näher man dem Urknall komme, erklärt Nicolai. Das kompliziere die Dinge noch: Durch physikalische Prozesse kämen immer mehr Variablen ins Spiel, die Elementarteilchen lösten sich auf, neue kämen hinzu. Das Ergebnis sei "eine brodelnde Suppe von ungeheurer Komplexität".

    Die neue Leistung von Ashtekar und seinen Kollegen sei, dass ihr Modell wesentlich näher an den Moment des Urknalls heranreiche als bisherige Versuche - so nahe, dass mit dem Auftreten von Quantengravitations-Effekten zu rechnen sei. "Doch die wahre Natur des Urknalls", meint Nicolai, "bleibt das große Rätsel."

    Ashtekar aber will noch weiter gehen - und nicht nur theoretische, sondern auch messbare Hinweise für ein Universum vor dem unseren entdecken. "Der 'Big Crunch'", glaubt er, "löscht nicht alle Spuren dessen aus, was unser Universum früher einmal war."
    Quelle: http://www.spiegel.de/wissenschaft/w...416441,00.html
    Zuletzt geändert von November; 20.05.2011, 23:28. Grund: .......Artikel eingefügt.

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  • Flocke
    antwortet
    @November
    Ich haette es gut gefunden, eine kurze Zusammenfassung dieses Artikels von dir zu lesen und dann das Ganze nicht als Quote (scrollscrollscroll) sondern als Link, bei dem man, nachdem man weiss, worums in etwa geht, selbst entscheiden kann, ob man ihn anklickt und liest.
    Versteh generell nicht, warum man derart lange Texte, die ohnehin schon irgendwo abgedruckt sind, nochmal zitieren muss...

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  • November
    antwortet
    Hier poste ich mal einen Spiegel-Artikel, den ich gefunden habe. Er ist zwar schon aus dem Jahr 1999 und auch ziemlich lang, aber trotzdem interessant zu lesen (find' ich zumindest).......

    Symphonie der Superstrings

    In Potsdam traf sich in der letzten Woche die Elite der Physik. Ihr Ziel: all ihr Wissen um die Materie in eine Gleichung zu fassen. Die Umrisse der Weltformel glauben sie bereits erkennen zu können: In ihrem Innersten besteht das Universum demnach aus vibrierenden Superstrings.

    "Unglaublich klug", "der brillanteste Denker seit Einstein", "ein einmaliger Unfall der Natur": Wenn die Physiker, die sich letzte Woche in Potsdam versammelten, von Edward Witten sprechen, dann ist ihnen kein Superlativ großartig genug.

    Als das Physik-Genie aus Princeton seine sanfte Fistelstimme erhob, da war es, als spreche ein Prophet zur kleinen Schar von Eingeweihten. Leise, eigenartig tonlos, atemraubend schnell sprudelten seine Worte. Jedes von ihnen sog die Gemeinde im Saal begierig auf, um es anschließend deuten und abwägen zu können. Zu oft schon waren es Wittens Gedankenblitze, die den Weg zur Lösung unüberwindlich erscheinender Probleme wiesen, als zu untrüglich erwies sich immer wieder seine Intuition.

    Witten war nach Potsdam gereist, um gemeinsam mit rund 400 seiner Kollegen zu träumen. Der Stoff, aus dem ihre Träume sind, ist die Mathematik. Sie erlaubt es ihnen, unvorstellbar winzige fadenförmige Gebilde zu beschreiben, die in einem verschlungenen 10- oder 11dimensionalen Raum vibrieren. Aus den Klängen dieser "Superstrings", so die Überzeugung der versammelten Physiker-Elite, setzt sich eine Symphonie zusammen, die den Namen "Universum" trägt.

    Witten und seine Kollegen träumen von einer einzigen Gleichung, deren Lösung die gesamte Welt beschreibt. Das vermessen klingende Ziel haben die Amerikaner die "Theory of Everything" getauft. Die Deutschen nennen es schlicht die "Weltformel".

    Diese Gleichung, so hoffen die String-Forscher, werde die schönste aller denkbaren sein so schön, daß allein ihre Schönheit der Beweis für ihre Wahrheit sei.

    Es ist der Glaube an die Existenz dieser Weltformel, der die theoretische Physik beseelt. Genährt wird er durch die spektakulären Erfolge der Vergangenheit. War es nicht dem Briten Isaac Newton schon vor gut 300 Jahren gelungen, alles Wissen über die Planetenbahnen in eine einzige Gleichung zu bannen, die zugleich auch noch den Flug einer Kanonenkugel korrekt vorhersagte? Hatte nicht sein Landsmann James Clerk Maxwell 200 Jahre später sämtliche elektrischen und magnetischen Phänomene in einem einfachen Regelwerk von Formeln vereint, das zudem noch das Wesen des Lichts enträtselte?


    Auch in diesem Jahrhundert stellten die Physiker stets aufs neue fasziniert fest, daß sich die Natur eleganten mathematischen Formeln fügt. Von ihrer Faustschen Neugier getrieben drangen die Forscher tiefer ins Innerste der Materie vor. Auf dem Weg dorthin gebaren sie immer abstraktere, phantastischer anmutende Ideen. Mit ihrer Hilfe gelang es, die Wunder des Mikrokosmos mit immer weniger Gleichungen immer vollständiger zu erklären.

    Ewig, so glauben viele Physiker, werde dieser Prozeß nicht währen. "Der Fortschritt in Richtung auf Einfachheit muß irgendwann an ein Ende kommen", erklärt der Nobelpreisträger Steven Weinberg (siehe Gespräch Seite 191). Dereinst werde das Urgesetz zum Vorschein kommen, eine Art mathematischer Tiegel, in dem alles Dasein zu einem Ganzen verschmilzt.

    Jetzt regt sich die Hoffnung, die Physik könne bald am Ende ihres großen Abenteuers angekommen sein. Viele der in Potsdam Versammelten glauben, am Horizont bereits die Konturen jener Formel erkennen zu können, der ihre Zunft seit mehr als 300 Jahren hinterhergejagt ist. "Die Schrift", meint Witten, "steht an der Wand." Das zur Vollendung benötigte Werkzeug sei die mathematische Beherrschung der Superstrings.

    Doch indem sich die Weltformel allmählich der Neugier der Physiker zu entbergen beginnt, offenbart sie sich als so sinnlos wie grandios. Vermutlich wird der Mensch niemals einen praktischen Nutzen aus ihr ziehen können. Manch einer bezweifelt sogar, daß sich ihre Wahrheit mit Experimenten überhaupt wird beweisen lassen. Sicher scheint zudem: Ihre Schönheit wird sich nur einer winzigen Zahl von Experten erschließen.

    Nutzlos, unbeweisbar, unverständlich die Gemeinde der String-Forscher schreckt das nicht. Sie fühlen sich als Speerspitze der Wissenschaft, die fortsetzen, was Newton, Maxwell und Einstein begonnen haben. Und sie halten es für möglich, daß es ihrer Generation vorbehalten ist, die große Expedition ins Innerste des Daseins zu vollenden.

    Alljährlich treffen sich die String-Forscher auf einer Konferenz, um sich über ihre Fortschritte auszutauschen. Diesmal durfte das erst vor vier Jahren gegründete Albert-Einstein-Institut in Potsdam die Rolle des Gastgebers übernehmen * eine Ehre, die nun auch Deutschland zu einer jener Nationen adelt, die maßgeblich teilnehmen an der Suche nach dem Heiligen Gral der Physik.

    Magnet für die Öffentlichkeit war vor allem ein Gast, der den berühmten Lehrstuhl Newtons an der Elite-Universität Cambridge innehat: Stets von Fernsehkameras verfolgt flüchtete Stephen Hawking meist in einen kleinen Raum, in dem er von seiner Frau und einem Assistenten umsorgt wurde. Nur auf der Pressekonferenz war es den TV-Teams gestattet, einige jener Sätze einzufangen, die er mit computergenerierter Stimme über "p-branes", "elfdimensionale Quantengravitation" und "die Weltformel" orakelte.

    Den Konferenzteilnehmern indes war der Rummel um das gelähmte Genie zuwider. So sehr sie bewundern, wie ein eiserner Wille und die Leidenschaft für die Physik Hawking am Leben erhalten, so stört es sie doch, wie sehr er alle Aufmerksamkeit auf sich zieht. Denn wissenschaftlich betrachtet zehrt Hawking vom Ruhm vergangener Zeiten. Vor 25 Jahren entdeckte er, daß Schwarze Löcher verdampfen können und dabei die nach ihm benannte Hawking-Strahlung aussenden. Damit sicherte er sich seinen Platz in der Geschichte seines Fachs. In Potsdam hingegen war er kaum mehr als ein Zaungast. Zum Verständnis der Superstrings trug er bisher nichts Wesentliches bei.

    Als Priester ihrer elitären Sekte haben die String-Forscher andere auserkoren * allen voran Edward Witten. Obwohl er die meisten seiner Kollegen um eine Handbreit überragt, trotz des allmählich ergrauenden Haars geben ihm seine Shorts, das karierte, kurzärmelige Hemd und die schüchternen, wachen und doch stets direkten Kontakt meidenden Augen etwas eigenartig Jungenhaftes.

    Das Auffälligste an Witten aber ist seine Stimme, die klingt, als habe sie nie einen Stimmbruch erlebt. Aufmerksam und geduldig hört er sich die Argumente seines Gegenübers an, dann folgt mitunter eine beängstigend lange Stille, während seine Augen sich irgendwo festheften. Schließlich bricht ein Stakkato monotoner Worte aus ihm heraus: leise, gequetscht, aberwitzig schnell und doch keineswegs hastig, nur unterbrochen von kurzem, luftlos hervorgestoßenem Lachen. Er redet, als wolle er keine Sekunde seines Lebens an Unwesentliches verschwenden.

    Über nichts spricht Witten so ungern wie über sich selbst. Die Welt abstrakter Gedanken in seinem Kopf bleibt oft auch seinen Kollegen ein Rätsel.
    So verblüfft sie, daß er seiner Arbeit mit Vorliebe allein im Kopf nachgeht. Selbst Papier und Bleistift braucht Witten nicht. Während seine Frau, ebenfalls Physikerin, am Schreibtisch ihren Block mit Formeln füllt, liegt er oft stundenlang, die Augen an der Decke, auf dem Bett und denkt.

    Schon früh vereinte er Eigenschaften in sich, die dem Klischee eines Wunderkindes entsprechen: unsportlich, sozial ein Außenseiter, von Allergien geplagt und dabei unfaßbar klug.

    "Wahrscheinlich wird ja in jeder Schule darüber gesprochen, wer der Intelligenteste in der Klasse ist", erinnerte sich sein Schulkamerad Peter Baida, "wir aber haben uns nur gefragt, ob Edward der Intelligenteste der Welt ist."

    Anfangs scheint Witten einer Karriere in der Physik aus dem Weg gegangen zu sein * vielleicht weil schon sein Vater Physiker war. Seinen ersten Abschluß machte er in Geschichte, anschließend versuchte er sich zeitweise als Journalist. Seiner wissenschaftlichen Karriere haben diese Umwege nicht geschadet: Mit 28 Jahren wurde er zum Professor an die Eliteschmiede Princeton berufen.

    Dort erkannte das US-Nachrichtenmagazin "Time" in ihm bald "den vielleicht brillantesten Physiker, der je gelebt hat". In einer von "Life" veröffentlichten Liste der einflußreichsten US-Amerikaner rangiert er noch vor dem Software-Milliardär Bill Gates. Seine Studenten gaben ihm voller Ehrfurcht den Titel "Marsianer".

    Kaum ein Feld der Wissenschaft ist so bestimmt von einer herausragenden Persönlichkeit wie das der Superstrings. Dennoch tummeln sich in Wittens Schatten eine Vielzahl anderer Koryphäen: der charmante und eloquente Brite Michael Green von der University of Cambridge etwa, der einst die Euphorie für die Superstrings entfachte; der schüchterne Argentinier Juan Maldacena von der Harvard University, der noch immer etwas erstaunt darüber wirkt, daß ihn ein Gedanke vor zwei Jahren in die Rolle des Jungstars der Bewegung katapultierte; oder Ashoke Sen, der aus einem kleinen indischen Städtchen, viele Bahnstunden von der nächsten Metropole entfernt, seine zündenden Ideen ins Internet speist.

    Durchbrüche auf dem Weg zur Weltformel werden ohnehin längst nicht mehr von einzelnen vollbracht. Die Suche nach dem Urgesetz ist zum Verbundprojekt einer weltweit verstreuten Gemeinde mit rund 3000 Mitgliedern geworden. Die String-Forscher waren unter den ersten, die das Internet gleichsam als zentralen Kreißsaal für ihre Kopfgeburten nutzten.

    In keinem menschlichen Kopf ist so viel Wissen über die Strings vereint wie in einem Elektronenhirn, das seinen Sitz in Los Alamos hat. Hier laufen täglich rund zehn Artikel aus Potsdam, Princeton oder Cambridge zusammen und werden, kaum eingetroffen, an Terminals in aller Welt verschlungen.

    Oft sind es nur Ideen, Vorschläge, Vermutungen, die, in die Sprache der Mathematik gekleidet, ins Netz eingespeist werden. Damit ist ein "völlig neuer Stil von Wissenschaft" (Green) entstanden. Mußten Forscher einst viele Monate warten, bis ihre Arbeiten von einer Fachzeitschrift angenommen und schließlich gedruckt wurden, vergingen damals weitere bange Wochen, bis Zuspruch oder Kritik von den Kollegen eintrafen, so hat das Internet dazu geführt, daß ein revolutionärer Gedanke oft hastig in den PC getippt und sofort der Fachöffentlichkeit kundgetan wird. Lob oder Tadel finden sich dann mitunter schon am nächsten Tag in der Mailbox.

    Das Tempo, mit dem die Physik voranschreitet, hat diese Neuerung allerdings nicht beschleunigt. Denn das Terrain, das die Forscher inzwischen betreten haben, ist von einer aberwitzigen Abstraktion.

    Mehr als jeder andere wies Albert Einstein den Weg in diese abstrakte Welt. In seinem Hauptwerk machte er sich daran, Isaac Newton, den Titanen der physikalischen Wissenschaft, vom Sockel zu reißen.
    In dessen Theorie der Schwerkraft hatte Einstein einen Schönheitsfehler ausgemacht: Die Gravitationskraft nämlich wirkt Newtons Gesetz zufolge selbst über kosmische Entfernungen hin unendlich schnell. Einstein aber hatte bewiesen, daß eine Wirkung, die sich schneller als das Licht ausbreitet, undenkbar ist.

    Im Jahre 1916 veröffentlichte Einstein eine Kur für diesen Widerspruch: die allgemeine Relativitätstheorie. Sie verschweißt Raum, Zeit und Materie untrennbar zu einem Ganzen. Unter dem Einfluß von Massen, so Einstein, verformen sich Raum und Zeit. Die Dellen und Beulen im Raum bestimmen ihrerseits, wie sich Massen bewegen.

    Physiker preisen die Relativitätstheorie bis heute als schönstes aller wissenschaftlichen Gedankengebäude. Doch die Schönheit hatte ihren Preis: Einstein sprengte die Grenzen menschlicher Vorstellungskraft. Einzig dank eleganter mathematischer Formeln gelingt es, einen in sich gekrümmten Raum zu begreifen. Sinnlich vorstellen können sich das selbst Physiker nicht.

    Trotzdem oder gerade deshalb haben viele String-Forscher Einstein zum großen Vorbild gewählt. Denn mit seiner monumentalen Theorie hatte er nicht nur ein ästhetisches Wunderwerk geschaffen. Er hatte auch mit seiner Art zu denken seinen Nachfolgern ein Beispiel gesetzt.

    Nie vor Einstein hatte sich ein Physiker so bedingungslos dem Wunsch nach Schönheit verschrieben. Mit unbestechlichem Instinkt spürte er die Unstimmigkeiten jener Wissenschaft auf, die er vorgefunden hatte. Die Widersprüche konnte er nur reparieren, indem er das einer sorgfältigen Prüfung unterzog, was vor ihm als unabänderlich galt: Raum und Zeit.

    Erst Einstein erkannte, daß diese Begriffe dem Menschen nur deshalb so selbstverständlich scheinen, weil seine Anschauung geprägt von Alltagserfahrungen ist. Die Welt extrem großer Massen oder extrem hoher Geschwindigkeiten ist ihm verschlossen. Diese aber, so Einsteins Lehre, ist von anderen Gesetzen bestimmt. Wäre der Mensch ein intergalaktischer Weltenbummler, so wäre ihm die Krümmung des Raums vermutlich so selbstverständlich wie die Tatsache, daß ein reifer Apfel erdwärts fällt.

    Diese Erkenntnis sollte wegweisend für die Wissenschaft des 20. Jahrhunderts sein. Denn die Neugier wandte sich nun zunehmend jenen Bereichen zu, die menschlicher Erfahrung nicht zugänglich sind. Mit Teleskopen loteten Astronomen die Tiefen des Alls aus. Kosmologen drangen fast bis zum Urknall vor, dem Beginn allen Seins. Lichtspektren verrieten, welchen Gesetzen die Atome gehorchen. Teilchenbeschleuniger leuchteten selbst das Innere der Protonen und Neutronen aus.

    Angesichts dieser Dimensionen kapituliert der allein auf seine Anschauung angewiesene Geist. Erst die Mathematik machte es möglich, die Geheimnisse des Mikrokosmos zu lüften. Als erster kam ihnen der junge Werner Heisenberg auf die Spur. Mit vom Heuschnupfen geschwollenen Augen floh er im Jahre 1925 für zwei Wochen aus dem von blühenden Wiesen umgebenen Göttingen auf die kargen Felsen Helgolands.

    Wie Einstein, so hatte auch Heisenberg den Eindruck, daß er sich von allem befreien müsse, was seine Vorgänger für naturgegeben hielten. Seit Jahren schon hatten sich die Physiker vergeblich bemüht zu begreifen, warum Elektronen den Atomkern nur auf ganz bestimmten Bahnen zu umschwirren schienen. Erst Heisenberg stellte die Frage: Wissen wir überhaupt, ob es wirklich Bahnen sind?

    Er beschloß, Gleichungen zu formulieren, in die er nichts einfließen ließ, was er nicht mit Sicherheit wußte. Bald stellte er fest, daß der Begriff einer Bahn seinen Sinn verlor. Die Gegenwart der Elektronen ist gleichsam über den Raum verschmiert.

    Helgoland wurde auf diese Weise zum Geburtsort der Quantenmechanik. Sie und die Einsteinsche Relativitätstheorie bilden seither die beiden Säulen der modernen Physik. Erfolgstrunken glaubten die Forscher, nun sei die Zeit reif, diese Pfeiler mit einer Kuppel zu überwölben: Der Begriff "Weltformel" wurde geprägt.

    Heisenberg glaubte sich 1958 am Ziel: Vollmundig trat er vor die Weltöffentlichkeit. Ehrfürchtig lauschten vor allem die Deutschen seinen unverständlichen Worten. Schließlich war er der größte Physiker, der ihnen nach dem Kriege geblieben war.

    In der Fachwelt jedoch wurde Heisenbergs "Weltformel" zur Blamage. "Niemand bestreitet, daß diese Idee verrückt ist. Die Frage ist nur, ob sie verrückt genug ist", spottete Niels Bohr, die damals angesehenste Autorität auf dem Gebiet der Quantenmechanik.

    Auch Einstein widmete sich die letzten drei Jahrzehnte seines Lebens dem großen Vereinigungswerk. Einsam in seine Gedankenwelt eingesponnen, starb er 1955, ohne der Nachwelt die ersehnte Urgleichung hinterlassen zu können.

    Die Natur zeigte sich widerspenstig. Je tiefer die Physiker in ihr Innerstes vordrangen, desto komplexer erwies sie sich. Im Innern des Atomkerns tat sich eine neue, verwirrend vielfältige Welt auf. Ständig trafen Meldungen von der Entdeckung neuer winziger Teilchen ein. Willkürlich, ohne erkennbare Ordnung, schien der Schöpfer die Forscher mit diesen "Myonen", "Kaonen" und "Omegateilchen" narren zu wollen. Der nächste Nobelpreis, so spottete seinerzeit der Physiker Robert Oppenheimer, solle demjenigen verliehen werden, der kein neues Teilchen finde.


    Inzwischen ist die Verwirrung über den "Teilchenzoo", wie ihn die Forscher entnervt nannten, gewichen. Anfang der siebziger Jahre ist es gelungen, all der Vielfalt mikroskopischer Phänomene ein Regelwerk von Naturgesetzen überzustülpen, das unter dem Namen "Standardmodell der Materie" bekannt ist (siehe Grafik).

    Ihm zufolge gibt es nicht mehr als drei Sorten von Teilchen: die Verwandten der Elektronen, der Quarks und der Photonen. Diese wiederum wechselwirken durch vier verschiedene Kräfte:


    ■ Die elektromagnetische Kraft; sie bindet Elektronen an den Atomkern; ihr ist das Funktionieren von Fernseher und Computer ebenso zu danken wie die Existenz von Farben und Radiowellen.

    ■ Die starke Kraft; sie hält den Atomkern zusammen; sie facht die Glut der Sonne an, wird aber auch bei der Explosion von Atombomben entfesselt.

    ■ Die schwache Kraft; sie ist eng mit der elektromagnetischen Kraft verwandt, ist aber viel schwächer und äußert sich nur eim radioaktiven Zerfall; sie blieb dem Menschen deshalb lange verborgen, erst mit dem
    Einsatz von radioaktiven Markern lernte er, sie medizinisch zu nutzen.

    ■ Die Schwerkraft oder Gravitation; sie hält die Masse der Erde zusammen; ohne sie würde die Sonne, das Planetensystem, ganze Galaxien auseinanderplatzen.


    Nachdem sie dieses Regelwerk verfaßt hatten, hätten sich die Physiker eigentlich zur Ruhe setzen können: Sämtliche Phänomene werden durch das Standardmodell beschrieben. Nicht ein einziges Experiment ist bekannt, daß seinen Gleichungen eindeutig widersprechen würde.

    Dennoch fehlt ihm eine Eigenschaft, die einer Weltformel nach Überzeugung der Theoretiker zu eigen sein muß: Es entbehrt jener Schönheit, die es zwangsläufig erscheinen ließe. Das Standardmodell strotzt vielmehr von willkürlichen Größen, die einfach nur deshalb ihren Wert haben, weil ihn die Natur eben so gewählt zu haben scheint. Die Massen der Quarks und Elektronen, ihre elektrische Ladung, aber auch die Stärke der vier Kräfte werden durch diese Theorie nicht vorhergesagt. Sie fließen vielmehr in Gestalt naturgegebener Konstanten in sie ein.

    Vor allem aber wurmt die Forscher, daß die beiden Pfeiler der Physik - die Quantenmechanik und die Einsteinsche Gravitationstheorie - nicht miteinander vereinbar sind. "Die Quantenmechanik beschreibt den Mikrokosmos, die Relativitätstheorie den Makrokosmos", so erklärt Hermann Nicolai, der die Konferenz in Potsdam mitorganisiert hat, das Dilemma. "Nur leider paßt beides nicht zusammen."

    Denn wenn die Physiker versuchen, die Schwerkraft den Gesetzen der Quantenmechanik zu unterwerfen, geschieht in ihren Gleichungen eine Katastrophe: Raum und Zeit verwandeln sich in einen blasenschlagenden sogenannten Raum-Zeit-Schaum. Jeder Versuch, dieses bizarre Gebilde in ein mathematisches Gewand zu kleiden, scheiterte. Plötzlich spuckten die Formeln nur noch Absurditäten und sinnlose unendliche Größen aus.

    Normalerweise macht sich der Widerspruch beider Theorien nicht bemerkbar. Nur im Urknall berührten sich kurzzeitig Mikro- und Makrokosmos. Seine Urgewalt vermag das Standardmodell nicht vollständig zu beschreiben.

    Für die Dauer eines winzigen Sekundenbruchteils, nachdem das Universum vor rund 15 Milliarden Jahren in einem Feuerball entstanden war, herrschte eine Gluthitze, bei der bisher jede Theorie versagt. Damals müssen Myriaden von Teilchen existiert haben, die seither ausgestorben sind, weil es ihnen zu kalt wurde.

    Geradezu verzweifelt mutet das Bemühen der Physiker an, ein Fenster zu finden, das ihnen einen Blick in diese Brutkammer des Universums erlaubt.

    Doch die Sicht ist ihnen verstellt: Etwa 500 000 Jahre nach dem Urknall nämlich schieden sich Licht und Finsternis, es entstand die sogenannte Hintergrundstrahlung, die das gesamte All erfüllt. Zwar gibt sie viele interessante Einzelheiten über die Galaxienentstehung preis, zugleich aber versperrt sie als undurchdringlicher Vorhang den Blick auf alles, was in den ersten 500 000 Schöpfungsjahren geschah.

    Deshalb ruht die Hoffnung der Forscher darauf, einige der wenigen Signale aufzufangen, die diese Jalousie zu durchdringen vermögen. Ein Kandidat sind die Neutrinos, jene geisterhaften Teilchen, deren Schwirren den Raum erfüllt, fast ohne daß ihr Dasein Spuren hinterließe. Selbst den Erdball können sie durchqueren, ohne sich in ihrem Flug beirren zu lassen. Nur eines von Abermillionen prallt doch mit der Materie zusammen.

    Diese seltenen Ereignisse zu registrieren ist die Aufgabe von Physikern, die sich in tiefe Bergstollen zurückgezogen haben, wo keinerlei Strahlung ihre Messungen stört. Doch bisher schätzen sie sich glücklich darüber, daß sie in gewaltigen, mit bis zu 50 000 Tonnen Wasser gefüllten Tanks zumindest einige derjenigen Neutrinos sichtbar machen können, die in der Sonne und in der irdischen Atmosphäre entstehen. Sie wissen: Den Himmel nach den Oldies unter den Neutrinos zu durchforsten, die seit 15 Milliarden Jahren durchs All irren, ist eine viel schwierigere Aufgabe.

    Eine Alternative wäre der Nachweis von Schwerkraftwellen, die, wie die Neutrinos, den Strahlungsvorhang unbeschadet durchdringen. Sie entstehen, wenn sich massive Körper bewegen.

    Auch der Urknall muß derartige Schockwellen ausgesandt haben, die, zumindest theoretisch, noch heute nachweisbar sind. Doch es ist ein extrem kleiner Effekt. Zwar soll im nächsten Jahr, auf einem Ackergelände bei Hannover, erstmals weltweit ein großes Schwerkraftwellen-Interferometer in Betrieb gehen. Doch bis ein Gerät gebaut wird, das empfindlich genug ist, auch das Gravitations-Echo des Urknalls aufzuspüren, werden noch Jahrzehnte vergehen.

    Deshalb setzen die meisten Forscher darauf, mit der Hilfe von großen Beschleunigern auf Erden das Feuer eines Mini-Urknalls zu schüren, um so die Teilchen-Fossile des Frühuniversums wiederzubeleben.

    Am Cern bei Genf, am Fermilab bei Chicago und am Desy in Hamburg lassen sie Protonen, Elektronen oder andere Teilchen mit immer größerer Wucht aufeinanderkrachen. Dann durchforsten sie die Trümmer, die nach diesen Kollisionen entstanden sind. Für den Bruchteil einer Sekunde, manchmal so kurz, daß selbst Licht in dieser Zeitspanne nicht einmal ein Atom zu durchqueren vermöchte, könnten diese Karambolagen einen Blick auf jene Welt erlauben, die seit dem Urknall für immer untergegangen ist.

    Doch die Arbeit der Elementarteilchenphysiker ist frustrierend. Oft prangt über einem der Forschungsberichte des Cern oder des Fermilab eine Namensliste von genug hochkarätigen Wissenschaftlern, um einen ganzen Hörsaal zu füllen. Das Fazit, das sie nach langjähriger Arbeit schließlich ziehen, lautet nicht selten: nichts Neues.

    Und wenn es in den letzten Jahrzehnten selten genug doch einmal gelang, etwas zuvor Unbekanntes zu entdecken, so entlockte dies den Kollegen an den theoretischen Instituten kaum mehr als ein Gähnen: Sie hatten es längst vorhergesagt. Es ist, als wolle die Natur die Physiker verhöhnen. Bisher antwortet sie auf all ihre Fragen stets: Das Standardmodell stimmt.

    Und doch beharren die Theoretiker darauf: Dies kann die letzte, die endgültige Wahrheit nicht sein. Wie Weinkenner, die am Bouquet eines kostbaren Tropfens herumnörgeln, so hadern die Theoretiker mit dem Standardmodell.

    So raffiniert auch die Kunstgriffe waren, mit denen die Gelehrten versuchten, die Vermählung von Quanten- und Gravitationstheorie zu erzwingen, stets mündeten ihre Rechnungen im Nichts. Wie bei der mythischen Hydra tauchten, kaum war eine Absurdität gebändigt, an anderer Stelle neue Widersprüche auf.

    Das änderte sich erst, als in den siebziger Jahren zwei Querdenker einen völlig anderen Pfad beschritten. Michael Green gelangte, gemeinsam mit John Schwarz vom California Institute of Technology (Caltech), zu der Überzeugung, daß die Gleichungen deshalb kollabieren, weil darin Teilchen als unendlich kleine Punkte betrachtet werden. Was, wenn die Teilchen eine Ausdehnung hätten? Wenn sie nicht Punkte, sondern Fäden mit einer endlichen Länge wären?

    Die beiden Gedankenpioniere machten sich daran, eine Quantentheorie winziger vibrierender Fäden zu schmieden. Das hatten zwar früher schon andere versucht. Doch die waren bei der Behandlung der Strings in einer Sackgasse gelandet. Die Physiker verloren das Interesse.

    Die größte Hürde war, daß sich die Strings weigerten, im dreidimensionalen Raum zu vibrieren. Schwarz und Green waren deshalb gezwungen, mit Gleichungen zu rechnen, in denen Zeit und Raum noch sechs weitere Raumrichtungen hinzugefügt sind * so entstand eine zehndimensionale Raumzeit.
    Natürlich war fraglich, ob derartig kühne Akrobatik irgend etwas mit der Wirklichkeit zu tun hat. Aber war nicht auch Einstein erst zum Ziel gelangt, nachdem er die alte Vorstellung von Raum und Zeit über Bord geworfen hatte? Vielleicht war dies ein zweitesmal nötig.

    Da Schwarz und Green nicht in Zweifel ziehen wollten, daß die Welt, die sie vor sich sahen, dreidimensional ist, nahmen sie an, die Zusatzdimensionen seien eben zu so winziger Größe zusammengeknäult, daß sie der Wahrnehmung verborgen bleiben. An jeden Punkt des Raumes sei gleichsam ein sechsdimensionales, unsichtbar kleines Gebilde geheftet. Ähnlich wie ein Schlauch, aus hinlänglich großer Entfernung betrachtet, wie eine eindimensionale Linie aussieht, so löse das menschliche Auge die Feinstruktur des Raumes nicht auf.

    Nach dem Urknall entfalteten sich dem Weltbild der String-Forscher gemäß nur vier Dimensionen, Raum und Zeit, um sich zu kosmischer Größe aufzublähen. Die übrigen sechs verharrten, wie nie erblühte Knospen, in ihrer Ursprungsgestalt.

    So befremdlich dies klingen mag, Schwarz und Green ließen sich davon nicht beirren. "Die Gleichungen, die sich ergaben, hatten magische Eigenschaften", erinnert sich Green. "Ich hatte das Gefühl, daß sie uns etwas sagen wollten."

    Denn die Superstrings zeigten ein außerordentlich reichhaltiges Schwingungsspektrum. Und als die Physiker dieses genauer untersuchten, da stellten sie fest, daß die verschiedenen Vibrationsmoden aussehen wie Teilchen, die auf verblüffende Weise den Quarks, Neutrinos oder Elektronen gleichen.

    Ja mehr noch: Ihr spezielles Interesse wandten Schwarz und Green einem ganz besonderen Teilchen zu: Es hatte eben jene Eigenschaften, welche die Physiker immer dem rätselhaften Überträger der Schwerkraft zugeschrieben hatten * war damit endlich die seit Jahrzehnten verzweifelt gesuchte Brücke zwischen Gravitation und Quantentheorie geschlagen?

    Trotz dieses Erfolges schlug den String-Propheten in der Fachwelt noch Skepsis entgegen. Vielen schien es als allzu bizarr, Probleme mit dem scheinbar willkürlichen Erfinden neuer Dimensionen zu vermeiden. "Na, in wie vielen Dimensionen lebst du heute?" pflegte der Nobelpreisträger Richard Feynman seinen Kollegen John Schwarz zu hänseln, wenn der ihm auf den Gängen des Caltech über den Weg lief.

    Noch hatten Schwarz und sein Mitstreiter Green nicht bewiesen, daß ihre Theorie frei von dem Virus war, das alle Konkurrenzvorschläge zu befallen schien: von den Absurditäten und Unendlichkeiten, die selbst die schönste Idee sinnlos erscheinen lassen.

    Green entsinnt sich, daß ihnen der entscheidende Durchbruch in den Rocky Mountains gelang, wo sich die beiden String-Visionäre 1984 auf einem Workshop in Aspen trafen. Am Rande dieses mondänen Wintersportortes trifft sich allsommerlich eine kleine Schar hochkarätiger Physiker, um in der idyllischen Gebirgslandschaft Ideen auszutauschen.

    Diesmal hatten sich Schwarz und Green vorgenommen, das ungelöste Problem der Unendlichkeiten anzugehen. Und tatsächlich: Green stand an der Tafel, während Schwarz ihm Ratschläge erteilte hoben sich auf magische Weise alle lästigen Terme in der Rechnung gegenseitig auf. Die Theorie war frei von Widersprüchen.

    Wichtiger als dieser Triumph war aber möglicherweise ein anderer Faktor. "Damals", erzählt Schwarz, "fing Ed Witten Feuer." Binnen kurzem hatte "der einflußreichste Physiker und Mathematiker der Welt" (Schwarz) die String-Theorie durchdrungen und wurde zu ihrem lautstärksten Fürsprecher. Er selbst erklärt, der Moment, als er die Schönheit der Superstrings begriffen habe, sei "der intellektuell aufregendste meines Lebens" gewesen.

    Die Fistelstimme aus Princeton fand Gehör. Witten rief die "String-Revolution" aus und verkündete, die Physik der nächsten 50 Jahre werde von dieser Theorie so sehr bestimmt sein wie die letzten 50 Jahre von der Quantentheorie.

    Wie kein anderer verschrieb sich Witten dem neuen Forschungsfeld. Er sprach der Gemeinde Mut zu, wenn sie angesichts der enormen mathematischen Hürden verzagen wollte. "Er wies dem Rest von uns den Weg", erklärt Nathan Seiberg, der eigentlich selbst Anspruch darauf erheben könnte, einer der bedeutendsten Forscher auf diesem Gebiet zu sein.

    Die Superstrings nennt Witten "wundersam", "magisch", "majestätisch" oder auch "seltsam" und es klingt nicht wie Schwärmerei, sondern wie das Bemühen, ihr Wesen so gut in Worte zu fassen, wie es die Sprache erlaubt.

    Ganz konnte allerdings auch er die Skeptiker nicht zum Verstummen bringen. Mehr noch als die eigentümlichen Dimensionsklimmzüge ist ihnen die Tatsache suspekt, daß sich die Existenz der Strings jeder experimentellen Beweisbarkeit zu entziehen scheint.

    Denn die Superstrings sind kürzer als kurz. Unter einem Mikroskop, das sie so groß wie diesen Buchstaben "o" erscheinen ließe, gliche ein Atom einer ganzen Galaxie. Um sie sichtbar zu machen, müßte man den Energieinhalt eines gefüllten Autotanks auf ein einziges Teilchen konzentrieren. Ein Beschleuniger, der dazu fähig wäre, müßte selbst nach optimistischen Schätzungen Elektronen um die gesamte Milchstraße schleudern.

    Aber nicht nur Zweifler machten den Stringforschern zu schaffen. Auch theoretische Schwierigkeiten bereiteten ihnen Kopfzerbrechen. Denn bald hatten sie nicht nur eine, sondern fünf verschiedene Stringtheorien gefunden. "Wenn eine davon unsere Welt beschreibt", so grübelte Witten in der ihm eigenen Weise, "wer lebt dann in den anderen?"

    Es blieb ihm selbst überlassen, die Antwort auf diese Frage zu geben. Vor vier Jahren, auf der String-Konferenz in Los Angeles, hatte er seinen vielleicht spektakulärsten Auftritt. Drei Stunden lang dozierte er. Dann war angebrochen, was den Eingeweihten inzwischen als die "zweite String-Revolution" bekannt ist.

    Witten war es gelungen, Licht in das Dickicht der fünf String-Theorien zu bringen. Sie alle, so verkündete er, seien nichts anderes als spezielle Erscheinungsformen eines einzigen Urgesetzes von noch größerer Schönheit und Eleganz. Und dieses müsse nicht in zehn, sondern in elf Dimensionen formuliert werden.

    Die Lieblingsmetapher der String-Forscher ist seither der Elefant. Bis 1995, so erklären sie, hätten sie nur einzelne Teile des ganzen Tiers erblickt. Diejenigen, die sich dem Ohr zugewandt hatten, hätten eine lederne Membran zu erkennen geglaubt. Andere, die ihre Aufmerksamkeit auf den Schwanz gerichtet hatten, hätten das Ganze für eine Art Strick gehalten. Wieder andere hätten erklärt, es handele sich um ein Rohr * sie hatten den Rüssel unter die Lupe genommen.

    Erst Witten gelang es, die Umrisse des ganzen Elefanten zu erkennen: ein großes Theoriegebäude, das alle anderen überwölbt und das er "M-Theorie" taufte. Wofür der Buchstabe "M" stehen solle, überließ er dem Publikum. Beliebt unter String-Forschern sind vor allem zwei Alternativen: "Mysterium" und "Magie".

    Noch allerdings ist nicht einmal gewiß, ob sich dieses "Mysterium" je wird in mathematische Formeln fassen lassen. Denn Witten hatte nicht mehr als seine Existenz postuliert. Niederzuschreiben vermochte auch er diese Theorie bisher nicht. Nur eines sei jetzt schon gewiß: Es werde gewaltiger Anstrengungen bedürfen: "Es könnte noch Jahrzehnte dauern. Und wir Menschen neigen leider dazu, ungeduldig zu sein."

    Die in Potsdam versammelten Forscher verdroß die Aussicht auf den steinigen Weg vor ihnen nicht. Eifrig diskutierten sie über komplexe mathematische Gebilde namens "Branes", die in einer zukünftigen M-Theorie eine zentrale Rolle spielen dürften. Oder sie erörterten, ob die elfte Dimension möglicherweise aufgequollener als die sechs anderen eingerollten Dimensionen ist, so daß sie sich bei raffinierten Experimenten vielleicht offenbaren könnte.

    Ihre größte Hoffnung aber gilt einer bestimmten Art von Teilchen, die ihre Theorie vorhersagen. Jedes Teilchen, ob Elektron, Quark oder Neutrino, müßte ihr zufolge nämlich noch einen Partner haben. "Diese Partnerteilchen werden vermutlich schon im nächsten Jahrzehnt sichtbar werden, wenn der nächste Beschleuniger am Cern seinen Betrieb aufnimmt", prophezeit Witten frohgemut. Dann endlich werde jene Ära anbrechen, in der sich auch experimentell die Welt jenseits des Standardmodells ausloten lasse.

    Daß bis dahin die M-Weltformel vollendet ist, mag er nicht versprechen. Ob sich dann ein letztesmal erweisen wird, daß sich die Natur ins Korsett mathematischer Gleichungen zwingen läßt, die vom menschlichen Geist ersonnen wurden, bleibt ungewiß.

    Ein Rätsel aber, das Albert Einstein, den geistigen Ahnen der String-Forscher, umtrieb, würde auch eine Weltformel nicht lösen helfen: "Das Unbegreifbarste des Universums ist, daß es begreifbar ist."
    Quelle: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,32734,00.html
    Zuletzt geändert von November; 18.05.2011, 18:15.

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  • ANGEL-OF-PEACE
    antwortet
    Apropos Ansätze. Remember zitierte Hawking.
    Ich empfehle "Stephen Hawking - Visionen eines Genies" auf YouTube anzuschauen.

    LG

    Nachtrag
    Das Wort "Bewusstsein" geisterte mehrfach durch den Thread.
    Im Posting #140 schrieb ich: Bewusstsein könnte die Wahrnehmung unserer Wirklichkeit sein.
    Ich korrigiere: Bewusstsein ist die Wahrnehmung unserer Wirklichkeit.

    Sorry, dass ich wieder ein Video einstelle, aber da wird das Bewusstsein noch verständlicher erklärt, als ich es tun könnte.



    Der letzte Satz, der hier gesagt wird, würde ich aus meiner Perspektive anders formulieren.
    Das Bewusstsein ist unsterblich und befindet sich temporär innerhalb unseres Körpers. (Individuelles Bewusstsein)

    Jetzt ziehe mich temporär zurück, damit auch andere User zu Wort kommen können.

    LG

    Es war mir wichtig hier noch anzufügen, dass es auch ein "Kollektivbewusstsein" gibt und dieses befindet sich m. E. sehr wohl außerhalb unseres Körpers.
    Zuletzt geändert von ANGEL-OF-PEACE; 19.05.2011, 22:56. Grund: Nachtrag; Kollektivbewusstsein

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  • ANGEL-OF-PEACE
    antwortet
    Zitat von Xydalona Beitrag anzeigen
    Ich gebe ja zu, dass ich nicht für jedes deiner Beispiele ein Zwischending gefunden habe.
    Das ist schade. Nun kehre ich zu meinem ursprünglichen Beitrag zurück mit meiner Definition "positiv/negativ". Das sind EXTREME - dazwischen ist ALLES möglich.

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  • November
    antwortet
    Zitat von remember Beitrag anzeigen
    @November, ich würde mich hier zurückziehen, weil ich diesen Thread nicht in die November-Remember-Diskussion verwandeln will.

    Dafür war der Thread sicher nicht gedacht.

    Ich danke dir, dass du diesen Thread eröffnet hast und somit allen Usern die Möglichkeit gibst, ihrem wahren geistigen Eigentum den Ausdruck zu verleihen.

    I love u,

    Remember
    @Remember, dann habe ich Dich falsch verstanden . Ich hatte das, was ich jetzt nochmal als Zitat eingefügt habe, als negativ aufgefasst. Z.B wegen "Remember-November-Diskussion" und danach hast Du ja auch noch geschrieben, dass Du Dich zurückziehen möchtest - daher dachte ich, Du hast keine Lust weiter zu schreiben. Das fand ich schade, da ich es gerade sehr interessant gefunden und wieder Spaß am Thread bekommen hatte (es hatte mir gereicht, nachdem was hier letzte Woche los war). Negativ wirkte es auf mich auch noch, weil Du Dich vor ein paar Tagen zum Level im Thread geäußert hattest. Das habe ich dann - zusammen mit dem "wahren geistigen Eigentum" - so verstanden, als ob Du nun gesehen hast, was z.B. mein "wahres geistiges Eigentum" ist und das Du Dich deshalb verabschiedest. Deshalb habe ich so reagiert, wie ich reagierte. Zuvor hatte ich es ja noch versucht über PN zu klären, aber ich hatte keine Antwort bekommen - und das hat dann meine Annahme bestärkt.

    Auch hätte ich noch eine Frage gehabt: Du hast geschrieben, dass die Antwort zu dem, was ich auf den Stein bezog und was Du dann mit Eizelle und Kartoffel beantwortet hast, im Link zu finden ist. Ich habe das dort gelesen - schon gestern. Dort steht, dass auch organische Materie letztendlich aus anorganischem Material zusammengesetzt ist. Worauf ich bei meinem Nachhaken hinauswollte, ist - wo der Unterschied zu sehen ist? Es gibt einen Unterschied (in der Entwicklung) zwischen dem was man allgemein unbelebt und belebt nennt. Ich glaube, es ist kaum möglich eine Grenze zu finden und mich hätte aber Deine Sichtweise dazu interessiert? Oder ist sie die, dass es keine Grenze gibt - aber dennoch, würde ich sagen, dass es einen Unterschied gibt?


    Nachtrag zum "Unterschied": Dazu habe ich etwas überlegt und ich glaube zu wissen, wie ich meine Sichtweise dazu erklären kann: Der Unterschied im "Programm" besteht darin, dass die eine "Materieform" (grob formuliert), sich in einem für sie günstigen Medium weiterentwickelt (Beispiel: Wachsen von Eizelle und Kartoffel), während ein Stein das so nicht tut.......wo nun genau eine mögliche Grenze zu ziehen ist, wissen wir immer noch nicht, aber das ist es, was ich schon vorgestern meinte.



    Der Link hatte mit seinen 3 Seiten Leseprobe wohl nie den Anspruch, das ganze Lehrwerk für Chemie zu ersetzen.
    Nein, aber es war mir wichtig noch dazuzufügen, weshalb es diesen leeren Raum gibt. So wie es in dem Text stand, hätte man annehmen können, das sei "einfach so" so. Ich wollte damit sagen, dass es dafür einen Grund gibt - es hat immer einen Grund, einen Nutzen, weshalb etwas so ist, wie es ist.




    Nachtrag 2, 01.08.2011 : Mittlerweile glaube ich dann doch nicht mehr, dass ich Dich missverstanden hatte. Ich denke, dass es richtig war. Und ich glaube nicht das "was ich will", sondern das "was ich sehe". Und bei Dir kann ich anhand Deines Verhaltens nichts anderes sehen, auch wenn ich mir wünschte, dass es anders wäre. Du bist ein Opportunist, der Leute verrät. Und was soll das - Du wirfst hier Sachen in den Thread ein und gehst auf nachfolgendende Fragen nicht mehr ein? Bei Dir zählt nur "me, myself and I" - und Du merkst gar nicht, wie Du andere Leute plattmachst und überfährst. Und was fällt Dir ein, einen Teil der Menschheit in "faule Ähren" einzuteilen, die maximal noch dazu gut ist, denn anderen - wo man unschwer annehmen kann, dass Du Dich und alle die Dir nach tun, dazu zählst - dienen zu dürfen? Leute wie ich gehören dann nach Deiner Sicht und derer die so ziemlich alles abnicken, was in dieser Art verzapft wird, zum faulen Teil des Kornfelds - nicht wahr?
    Zuletzt geändert von November; 01.08.2011, 12:04. Grund: .......Nachtrag.

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  • Xydalona
    antwortet
    Und was ist mit den Dingen dazwischen?
    Zuletzt geändert von Xydalona; 07.11.2012, 13:22.

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  • ANGEL-OF-PEACE
    antwortet
    Zitat von Xydalona Beitrag anzeigen
    Was meinst du mit "Dualität"?
    Polarität: Minus/Plus

    Planet Erde: Tag/Nacht

    Geschlechter: Männlich/Weiblich

    Leben/Tod

    Krieg/Frieden

    Angst/Liebe

    Gut/Schlecht

    Lüge/Wahrheit

    Licht/Schatten

    usw..............

    LG

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  • CaroSebi
    antwortet
    Du meinst mich nicht, Xydalona, aber mir fällt dieses Wort gerade auf: Dualität.

    Ich lebte lange in einer Welt der Dualität während meiner Kindheit: das ist gut - das ist schlecht; das macht man - das läßt man. Die Welt ist sehr viel komplexer als das, und erst durch Michael habe ich WIRKLICH verstanden, also verinnerlicht, dass schwarz und weiß nicht nur nebeneinander existieren können, sondern dass weiß gleichzeitig auch schwarz sein kann und umgekehrt. Die Begrenzungen im Kopf wurden aufgehoben, und das Leben wurde bunter.

    Bezogen auf die Energie bin ich ebenfalls der Meinung, dass positiv/negativ nicht die zutreffende Klassifzierung ist. Dinge/Menschen/Lebewesen, die mir eben noch Energie nahmen, können sie mir im nächsten Moment schon wieder geben. Manchmal genügt ein winziger Perspektivenwechsel. Und um diesen vorzunehmen, möchte ich für die, die es interessiert, ein sehr wirksames, leicht zu handhabendes Werkzeug vorstellen. Es handelt sich um "The Work" und geht auf Byron Katie zurück.

    The Work basiert auf 4 Fragen, die man sich stellen kann, wenn man z. B. einen bedrückenden/ärgerlichen/sorgenvollen Gedanken hat:

    1. Stimmt das (was ich denke)?
    2. Kann ich absolut sicher sein, dass es stimmt?
    3. Wie reagiere ich auf diesen Gedanken?
    4. Wer oder was wäre ich ohne diesen Gedanken?

    Im Anschluss (und das finde ich persönlich das spannende) kann man den Gedanken umkehren und mindestens 3 Beispiele finden, in denen die Umkehrung genauso wahr oder wahrer ist als die ursprüngliche Aussage.

    Wenn man das konsequent durchführt, bleibt letztlich nur noch das stehen was ist, frei von unseren eigenen, oft uns selber irreführenden Interpretationen.

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