@Memphis:
Auf deine wahrnehmung reflektiert, dass doch MJ eigentlich ein glückliches kind, mit einer priviligierten kindheit gewesen sein muss ... deine beobachtung vom glücklich aus vielen videos herauslächelnden kind/jugendlicher.
Ich denke, wenn er lächelt hing das ganz stark in erster linie mit dem zusammen, dass er eben das auftreten liebte, das unterhalten, andere glücklich machen ... das es ihn glücklich machte, 'seine' musik zusammen mit seinen brüder auf der bühne für's publikum projizieren zu können. Die bühne, der ort den er zu beherrschen und auszufüllen wusste, auch schon als youngster, die bühne, der ort auf dem er für Joe nicht real erreichbar war, es war MJs reich, nicht das von Joe ... bejubelt von denen vor der bühne, wundert es dich da, dass man MJ sehr oft/meistens als glücklich lächelnden sehen konnte??
Mich wundert das nicht ... hinter der bühne und voll im alltagsdrill und arbeitspensum gab's wahrscheinlich weniger zu lächeln .. oder zu lachen.
Dass sich MJ/die brüder in dieser tretmühle auch ihre nischen und fluchtburgen suchten und fanden, ich glaube, davon kann man ausgehen. Auch davon, dass sie eben an der langen leine Joe's waren ... wenn er daran unnachgibig ruckte, mussten sie folgen, ganz gleich welchen und wie viel spass sie gerade hatten. Und in solchen momenten mag ihnen und besonders MJ das lächeln vergangen sein.
Ich glaube jedoch nicht, dass sein lächeln auf der bühne jemals ein falsches, aufgesetztes lächeln war ... ein pflichtbewusstes mitunter (ist ja nicht unbedingt falsch) Und wir wissen es von MJ selbst, ihm war sehr wohl vertraut und es wurde ihm auch so ziemlich von anfang an abverlangt, dass sich manches einem PRact unterzuordnen hat ... und dass das eben teil des showbusiness ist.
Gewiss, Joe hat persönlich zurückgesteckt, hat seine eigene musikerambitionen z.b. an den nagel gehängt ... hat dafür das talent seiner jungs erkannt und gefördert, hat sie schliesslich auf den wirklich grünen zweig von Motown gehievt.
Frage:
Warum eigentlich musste Joe so hart und unbarmherzig durchgreifen, auf dass es seine jungs und er .. ja, die ganze familie zu was bringen? Mit dem erfolg sozialer aufstieg u.a. ... besserer lebensstandard usw.
Aber warum musste Joe das alles mit der anwendung von körperlicher und seelischer gewalt gegen seine söhne angehen? Waren die als kinder vor allem erfolg so daneben und nicht anders zu händeln, wären sie sonst abgeruscht? Joe hat mal gesagt, er habe sie so hart gedrillt und ihre zeit voll beansprucht, auch um sie von der strasse weg zu halten, damit sie nicht unter die räder kommen.
Diese prügel und das einschüchtern und dieses unbarmherzige führen und leiten ... es mag teils der damaligen zeit geschuldet sein ... und dem, was eltern von damals selbst als kinder in puncto erziehungsstil kennengelernt hatten ... es ist trotzdem nicht zu begreifen, dass die jungs und besonders der rebellische Michael diese volle, grobe, stumpfe, gewalttätige härte zu spüren bekamen. Und zusätzlich noch zu erfahren, dass die mutter offenbar dieser art von gewalttätigkeit gegen die eigenen kinder nichts entgegenzusetzen hatte ... ausser wehklagen, Joe möge aufhören, bevor er sie (einen der jungs) totschlüge. Und doch gab's die prügel immer wieder.
Und das, trotz dem offensichtlichen ausbaufähigen musikalischen talent seiner jungs, und das besondere talent Michaels ... ich verstehe nicht diese gewalt und diese einschüchterung, diese seelische grausamkeit von beiden elternteilen letztlich ... ich stamme aus der selben zeit, wenn auch aus einem anderen kulturkreis; das thema prügelstrafe für kinder und jugendliche zuhause und in der schule ist mir wohlbekannt.
Joe ein scharfsinniger geschäftsmann? Woher?
Er hat den konkurrenzkampf mit anderen ähnlich talentierten musikalischen familiengruppen aufgenommen ... und letztlich das talent seiner jungs und das quäntchen mehr und der ticken besser gegenüber anderen konkurrenten hat sie relativ schnell an allen anderen vorbeiziehen lassen. Joe hat einiges dafür angestrengt, dass seine jungs erst mal einen gewissen bekanntheitsgrad erreichten und ein publikum hinter sich bringen konnten ... bevor sie erst bei Steeltown und später dann bei Motown unterkamen. Für die jungs war das allerdings stets da schon mit grossen opfern verbunden, das darf man nicht vergessen.
Was wäre gewesen, wenn B. Gordy strikt abgewunken hätte? ... nein, nicht noch eine gruppe singender und tanzender jungs, die unbedingt nach oben will ... das was alle talentierten wollten - aus die maus.
Ich glaube, alle ambitionen hätten auch in einem wimpernschlag zurück in die versenkung geschlagen werden können .. hätte B. Gordy nicht so entschieden, wie er es letztlich tat.
Joe hatte bestimmt jede menge hartnäckigkeit in sich und übte sie auch aus ... und er hatte wahrscheinlich auch unverschämtes glück ... dass ihm und den jungs dieser zugang zu B. Gordy gelang. Und wieder war's wohl das talent und die besonderheit, die Gordy in den jungs erkannte ... der ehrgeiz von Joe, ja er spielte auch eine rolle, aber sicher keine hauptrolle.
Ich bin überzeugt, Michael ... vielleicht auch ein, zwei seiner brüder hätten es auch so den sprung ins musikbiz geschafft ... auch ohne den reinprügelnden Joe ... ein kenner und förderer wäre sicher irgendwann ins leben der Jacksons getreten ... insbesondere in das von MJ. Sie/ besonders er hätten ihre chance gekriegt und genutzt ... da ist mein gefühl (ja ich weiss, mehr wunschdenken ..)
Den halbsatz " ... Er wusste immer, dass er Joe alles zu verdanken hatte ..." sehe ich sehr kritisch - und glaube nicht voll und ganz an diese these.
Ich glaube vielmehr, Michael wusste sehr früh bereits, dass sein erfolg dem wahren talent und dem innerlichen brennen für etwas zu verdanken ist ... talent und die fähigkeit, andere mitzureissen .. im positiven sinn. Kreativität auszuüben und auch tatsächlich kreatives hervorzubringen, das andere schier verzaubert.
MJ hat in seiner kindheit und jugend zuviel gewalt, erfolgsdruck gegen sich und andere erlebt und durchlebt ... und ich bin sicher, er hat erkannt, dass das nicht der königsweg ist und nicht der bestmögliche weg sein kann, um leistungen und begeisterung hervorzubringen. Ich halte ihn auch in seinen jugendlichen jahren für klug oder weise genug zu erkennen, dass er trennen konnte, einmal der väterliche und managermässige druck von Joe und dessen siegerwillen da und auf der anderen seite seine ihm verliehenen ausserordentlichen talente und fähigkeiten, die leuchten wollten wie eine lodernde fackel. Ich glaube er war klug und feinfühlig genug das bestreben der eltern nicht zu verkennen, a) nach dem erfolg der jungs b) dem nach dem besseren leben für die familie ... er hat es an dank für die eltern gewiss nicht fehlen lassen, hat nicht mit entsprechenden worten gespart und auch nicht mit finanzieller zuwendung, hat gewürdigt, was zu würdigen war.
Vielleicht hat es Joe lebenslänglich gewurmt, dass Michael schon in seinen jungen jahren und später noch viel öfter erklärte, dass er seine talente als gottgegeben betrachtete ... nicht von dieser welt ... und erst recht nicht aus der welt des Joe Jackson, füge ich hinzu. Vielleicht hätte Joe liebend gerne gehört, dass MJ sich bei ihm für seine talente bedankt ... als von den eltern gegeben ... ich glaube, das wäre der grösste triumph für Joe gewesen ... quasi alles aus seinen lenden, alles aus seinen händen ...
Sein grösster triumph und zugleich seine rechtfertigung, dass das mit der wahl seiner mittel so in ordnung war ...
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