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Ab wann ist ein Mensch tot?

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  • ANGEL-OF-PEACE
    antwortet
    Zitat von daggi Beitrag anzeigen
    AOP, da hast Du eine Erfahrung gemacht, bei der ich erstmal schlucken mußte. Solche Erfahrungen machen zu müssen, sprechen nicht unbedingt gegen meine Ängste. Natürlich machen auch Menschen Fehler, aber gerade in solch einer Situation...Das Gefühl, sich nicht bemerkbar machen zu können,obwohl man mitbekommt, was bevorsteht, muß extremst sein. Hast Du dieses Erlebnis verarbeitet, oder steckst Du noch in diesem Prozeß?
    Oh sorry, ich wollte niemanden beunruhigen. Ich schrieb hier im Forum schon mal darüber, einige wussten das. Diese Erfahrung bewirkte, dass ich keine Angst habe vor dem Tod, weil es auch ein Leben nach dem Tod gibt - davon bin ich überzeugt.

    Das Thema Sterben aus medizinischer Sicht bzw. Organspende ist ein wenig anders.

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  • ANGEL-OF-PEACE
    antwortet
    Zitat von rip.michael Beitrag anzeigen
    Die vorstellung, dass niemand Michael in diesem moment liebevoll zudeckte, er zwar nicht in blösse, aber in aller armseligkeit und verlassenheit hingelegt wurde ... und auch noch ein foto davon geschossen wurde ... dieses bild ist eine grausame erinnerung, viel schlimmer, als das ebenfalls der welt veröffentlichte foto im vorfeld der obduktion.
    Wir hörten über ihn von Hirntod und dann später von Herzstillstand. Ich tröste mich mit dem Gedanken, dass er wirklich tot war und keine Schmerzen erleiden musste.

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  • daggi
    antwortet
    AOP, da hast Du eine Erfahrung gemacht, bei der ich erstmal schlucken mußte. Solche Erfahrungen machen zu müssen, sprechen nicht unbedingt gegen meine Ängste. Natürlich machen auch Menschen Fehler, aber gerade in solch einer Situation...Das Gefühl, sich nicht bemerkbar machen zu können,obwohl man mitbekommt, was bevorsteht, muß extremst sein. Hast Du dieses Erlebnis verarbeitet, oder steckst Du noch in diesem Prozeß?

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  • ANGEL-OF-PEACE
    antwortet
    Zitat von Carehim Beitrag anzeigen
    Ich bin nicht vollständig tot, wie soll ich denn ausdrücken.......
    Ich war knapp über 20 Jahre alt, als ich für tot erklärt wurde und meine Nahtoderfahrung machte. Die Ärzte standen kurz davor, mich in die Leichenhalle zu bringen als ich aufwachte. Aufwachen hört sich leicht an. In der Regel öffnet man die Augen, dann ist man wach. Dieses Aufwachen war jedoch anders. Es erforderte all meine Kraft und dauerte eine gewisse Zeit, ich weiß nicht wie lange, ich hatte kein Zeitgefühl. Ich konnte alles um mich herum wahrnehmen und hören. Erst jetzt, viele Jahre später, denke ich darüber nach, dass mir auch hätte passieren können, in diesem Zustand bei lebendigem Leibe, ausgeschlachtet zu werden. Das Gehirn mag für Mediziner tot sein, ich habe dennoch meine Zweifel an der Diagnose Hirntod=sicherer Tod.

    @Apfelfee, mein tiefster Respekt für Deinen Beruf.

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  • Carehim
    antwortet
    Zitat von rip.michael Beitrag anzeigen
    entscheiden dann die nächsten angehörigen im besten sinne des patienten.
    Genau das ist der Knackpunkt: mein nächster Angehöriger weiß was ich möchte, dem ist es aber schlichtweg egal.... Deswegen hat eine Ausfertigung eine Person meines Vertrauens bekommen und die zweite liegt hier, ohne Wissen meines nächsten Angehörigen. Bei mir funktioniert es sonst nicht anders....

    Ich danke Dir für die mir so wichtige Info, aber jetzt Schluß, sonst wird es OT....

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  • rip.michael
    antwortet
    Liebe Apfelfee,

    danke, dass du in der lage und willens warst, auf meine doch sehr eindringenden fragen zu antworten.
    Es ist sicher eine ziemlich harte nummer, in sehr jungen jahren mit allen schattierungen des altenpflegeberufs konfrontiert zu werden, bis hin zum umgang mit verstorbenen. Jede professionelle arbeit verlangt konfrontation mit allem, was im beruf vorkommt. Ich ziehe meinen hut vor leuten, die sich der arbeit mit alten menschen widmen und sich zum schluss dem tod von betreuten immer wieder stellen müssen.
    Bei aller arbeitsroutine, die sich im lauf vieler jahre einstellt, mit einem toten menschen umzugehen wird wohl immer etwas besonderes und spezielles bleiben. Ich sehe in diesem letzten (bzw vorletzten) liebevollen dienst am verstorbenen sehr viel positives, der verstorbene wird gewaschen, gebettet, zugedeckt ... erfährt eine achtungsvolle behandlung in seinem neuen status.
    Keine sorge Apfelfee, deine schilderung waren nicht schlimm, sie erzählten die wahrhaftigkeit, so wie du sie erfährst. Es ist gut so, wie es ist.

    ... vielleicht ist diese vorstellung der friedvollen handlung so stark in mir und deshalb wird mir wohl dieses eine foto Michaels auf dem krankenhausbett, scheinbar mal gerade von allen strippen befreit, wohl nie aus dem gedächtnis gehen und ich kann mir nicht vorstellen, dass ich die verbleibenden gefühle und gedanken dazu je überwinden werde.

    Die vorstellung, dass niemand Michael in diesem moment liebevoll zudeckte, er zwar nicht in blösse, aber in aller armseligkeit und verlassenheit hingelegt wurde ... und auch noch ein foto davon geschossen wurde ... dieses bild ist eine grausame erinnerung, viel schlimmer, als das ebenfalls der welt veröffentlichte foto im vorfeld der obduktion.

    Liebe carehim,
    für die patientenverfügung gibt es keinerlei formelle vorgaben. Du kannst muster aus dem netz benutzen und sie für deine bedürfnisse passend machen, du kannst das ganze aber auch in wenigen kurzen, klaren willensäusserungen formulieren. Wichtig ist, dass das was man definitiv an massnahmen nicht haben will, deutlich und bestimmt ausdrückt.
    Sehr zweckmässig ist auch, eine person des vertrauens von der willenserklärung zu informieren, ggf mit unterschreiben zu lassen. Diese person soll eine ausfertigung bekommen, damit sie verantwortlich im sinne des verfügenden reagieren und handeln kann, wenn der fall der fälle eintritt. (Aber wie du nun weisst, können trotzdem fragen und endgültige entscheidungen auf diese person zukommen - es gibt unterschiedliche erfahrungen dazu.) Notarielle beglaubigung ist überflüssig.
    Ich war vor kurzem bei einem vortrag, der sich mit patientenverfügung u.a. befasste. Eine fachanwältin für familien- und erbrecht beriet. Klar kann man auch einer fachpraxis die verfügung verfassen lassen, das kostet mehrere hundert euro, hat aber nicht mehr kraft und auswirkung als eine handgeschriebene, selbstverfasste verfügung.
    Sie gab übrigens den dringenden rat, bei unsicherheiten wegen einer patientenverfügung sich besser gegen eine solche zu entscheiden. Bestenfalls entscheiden dann die nächsten angehörigen im besten sinne des patienten.
    Zuletzt geändert von rip.michael; 12.06.2012, 21:24. Grund: edit

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  • Carehim
    antwortet
    Liebes, bei der Feststellung hirntot werden die Orange von Maschinen am Leben gehalten, damit sie ,,frisch" bleiben, das ist es, was einer der Gründe für meine Entscheidung ist. Ich bin nicht vollständig tot, wie soll ich denn ausdrücken....... Und das fällt auch mit in die Kategorie von ,, künstlich am Leben gehalten werden", was ich auch nicht möchte......

    Eine andere Frage, weiß es Jemand? : Ich habe eine Verfügung für mich geschrieben in doppelter Ausfertigung, meiner Unterschrift, Datum, meinem Willen in körperlich und geistig vollem Bewußtsein.
    Muß man das notariell beglaubigen lassen oder nicht? Reicht es so, tritt mein Tod ein?

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  • ANGEL-OF-PEACE
    antwortet
    Ich stellte mir und Euch die Frage: Ab wann ist ein Mensch tot?

    Tot ist tot. Bis vor kurzem war ich so naiv, zu glauben, dass Organe von Verstorbenen explantiert werden. Nun weiß ich, dass der Körper lebendig sein muss, sonst wären die Organe nutzlos bzw. wertlos.

    Die Zufälle häufen sich.

    Der Hirntod - eine gefährliche Definition

    Der "Hirntod" ist eine Erfindung des Menschen. Aus Sicht von Organempfängern ist sie segensreich, aber aber für Organspender ist die Definition beängstigend.

    Jeder Zeitungsleser kennt den Tod. Bombenanschläge, Verkehrsunfälle, Polizeiberichte, kein Tag ohne Tod in allen Variationen. Aber in dieser Woche gab es schon eine eigenartige Häufung von ganz außergewöhnlichen Nachrichten vom Tod – und von der Medizin.

    Vor acht Tagen konnte man von Karl-Heinz Pantke lesen. Er war noch keine vierzig Jahre alt, als der Berliner Physikprofessor vor sieben Jahren vom Schlag getroffen wurde. Schon im Krankenwagen beugte sich der Sanitäter über ihn: „Exitus.“
    Im Krankenhaus wurde dann das Locked-in-Syndrom festgestellt, ein Wachkoma ohne jede Möglichkeit der Lebensäußerung. In diesem Zustand versterben eigentlich alle Patienten, Karl-Heinz Pantke jedoch überlebte. Er ist wieder zu Hause, allen Prognosen zum Trotz.

    Vor fünf Tagen konnte man von einem kleinen argentinischen Mädchen lesen, das in der 26. Woche, viel zu früh, zur Welt gekommen und für tot erklärt worden war. Die Eltern wollten ihr Kind noch einmal sehen. Sie fanden es in einem kleinen Sarg in der Kühlkammer des Krankenhauses vor, von Raureif überzogen, es bewegte Hände und Füße und öffnete seine Augen. Um das Leben von Luz Milagros wird jetzt gekämpft, mit ungewissem Ausgang.

    Und dann vor drei Tagen: Der 17-jährige Steven Thorpe war nach einem Autounfall in der Universitätsklinik Coventry für tot erklärt worden, nein für hirntot. Die Ärzte sprachen die Eltern auf eine Organentnahme an.

    Ob es ihr Entsetzen war, ihre Ungläubigkeit oder nur einfach Hoffnung, die Eltern glaubten diesen Ärzten nicht, zogen eine andere Ärztin zurate; diese stellte Leben fest. Die intensivmedizinische Behandlung musste fortgesetzt werden. Steven Thorpe studiert heute in Coventry und hat noch mit einem tauben linken Arm zu kämpfen.

    Der Hirntod ist eine Erfindung von Menschen, so wie jede Definition des Todes eine gesellschaftliche Vereinbarung, einen kulturellen Konsens darstellt. Was ist hirntot? Nicht mehr lebendig, noch nicht tot? Gibt es verschiedene Tode?

    Aus der Sicht von Organempfängern ist der Hirntod eine segensreiche Erfindung, eine gelungene Konstruktion. Ohne den Hirntod könnte man keine Organe entnehmen. Tote Organe kann man nicht transplantieren. Aus der Sicht der Organspender ist der Hirntod hingegen eine riskante Erfindung, eine beängstigende Konstruktion.

    Es ist nicht ehrlich, dass davon nichts im Organspenderausweis steht, denn den trägt man ja als Spender bei sich, nicht als Empfänger.

    Dieser Vortrag berührte mich zu Tränen.


    Die informativste Webseite, die ich gefunden habe, ist bisher diese hier.


    Vielleicht finden sich auch Antworten auf die Fragen: Wie fühlen sich eigentlich Menschen mit implantierten Organen? Warum kommt es häufig zu Abtoßungsreaktionen?


    Was sicher ist, ist der Tod. Zweifellos JA. Jedoch, von Todesart zu Todesart gibt es vielfältige Unterschiede, vom ungeboren Embryo bis zum Senior-Senior; von Erkrankungen, Unfällen und sonstigen Gewalteinwirkungen bis zum natürlichen Tod. Wir können uns die Todesumstände meistens nicht aussuchen.

    Wüsste ich schon im Vorfeld, wie und in welchem Zustand ich sterben werde, hätte ich evtl. auch die passende Entscheidung zur Organspende parat. (Wirklich wissen, will ich das aber auch nicht.)

    Ich tendiere momentan dazu, eine Person meines Vertrauens hinzuzuziehen, die dann der Situation entsprechend entscheiden soll.

    Jetzt gehe ich Eure letzten Beiträge lesen.

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  • Apfelfee
    antwortet
    Liebe RIP

    ich war damals 20 jahre alt als ich meinen Beruf anfing, ich hatte damals einfach angst tote menschen anzufassen , so richtig kann ich es nicht beschreiben auch das die augen bei einigen nicht zu waren sondern offen , es war für mich beängstigend oder auch wenn der mensch schon tod ist und man ihn dreht noch mal ein atemseufzer kommt ...Luft entweicht aus den Lungenbläschen und es kommt ein "seufzer " zustande...
    oder auch das sie noch kurz danach zucken , durch Nervenzucken
    ich arbeite in einen Seniorenheim und hatte bevor ich meine Pflegeberuf ausübte noch nie sterbende und tote gesehn , bin nie damit in berührung gekommen aber in all den jahren legte ich meine berührungsängst nach und nach ab

    oh je ich hoffe das hört sich jetzt nicht zu schlimm an , weil wie ich schrieb ich erlebe es häufig als sehr friedlich ..und schmerzfrei ..ein wahrhaftiges hinüberschlafen ...
    ganz liebe Grüße apfelfee
    Zuletzt geändert von Apfelfee; 12.06.2012, 19:32. Grund: nachtrag

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  • rip.michael
    antwortet
    Zitat von Apfelfee Beitrag anzeigen
    ...
    Für mich war es am Anfang nicht so einfach , diesen toten Körper zu berühren / zu drehen / es machte mir angst ...zumal ich auch immer wieder finde ,das ihr Gesicht wenn das " Leben " aus ihnen geflogen ist ,sich sofort verändert und mir erschien es immer sehr sehr fremd ...
    ...
    Was die Patientenverfügung betrifft habe ich schon oft gehört oder erlebt das diese von ärzten übergangen wird oder auch von Familienangehörigen , das sie obwohl der Mensch keine Lebensverlängernden maßnahmen wünscht , es doch getan wird . Geht es da darum das die Angehörigen nicht " loslassen " können oder wollen? Denn der Wunsch ist ja ganz klar geäussert um Verantwortung kann es da ja nicht gehen oder?
    Liebe Apfelfee,
    kannst du beschreiben, was deine angst ausfüllte, die berührung und das handling eines toten körpers betreffend?
    Kannst du sagen, was deine angst davor hat schliesslich schwinden lassen?
    ... die angst wundert mich doch etwas, wenn du professionell in dieser einrichtung, ich nehme an ein hospiz, arbeitest.

    Was du schriebst vom wandel des gesichtsausdrucks nach dem tod, kann ich sehr gut nachvollziehen.
    Man sieht es dem gesicht an, wenn das lebendige darunter und darin nicht mehr aktiv ist. Meine schwiegermutter erzählte mir oft, dass man am ehesten erkennen könne, wenn ein mensch an der schwelle zum tod steht, dass die nasenspitze wachshell wird und das gesichtsfarbe sozusagen ergraut. Sie hat recht behalten, denn ich konnte genau das beobachten, als sie selbst sterbend im hospiz lag.
    Sie zog dort für ihre letzten tage ein, alle waren bedrückt, aber besänftigt, weil ziemlich sicher war, dass mit ihrem und dem anderer sterben sorg- und liebevoll umgegangen wird. Ich habe mich erst daran gewöhnen müssen, in diesem haus auch lachen und kinderschreien und scheppernde kaffeetassen anlässlich einer geburtstagsfeier zu hören. Gelächter, vielleicht sogar ein witz ...
    Aber das gefühl ein haus des todes zu betreten, wich mit jedem neuen tag, den meine schwiegermutter dort liebevoll versorgt verbrachte. Eine betreuende person erklärte mir: das ist ein haus des lebens - und so war es auch. Die, die ihr verbliebenes leben noch mit familie, freunden verbringen konnten taten das voll stiller freude und zuversicht, die die herzen vieler nicht bange werden lies.
    Ich denke trotz aller trauriger endgültigkeit gerne an diese erfahrung zurück und habe mit mich mit dem unbarmherzigen tod ein wenig versöhnt, hab gesehen, dass er auch eine liebevoll, sanfte, keineswegs unter schmerzen einfordernde art hat. Meine schwiegermutter war bis unter die haarspitzen mit starken schmerzmitteln versorgt, was ganz zum schluss zu einer geistigen abwesenheit führte. Das leben auf diesem letzten stück so zu begleiten, war nicht einfach - aber sehr tröstlich und versöhnlich für alle.

    Das angehörige von einem irdischen sein nicht loslassen wollen oder können, hängt vielleicht auch damit zusammen, dass verlustängste nicht die wahre ursache sind, sondern dass am ende in dicht gedrängter form deutlich wird, dass da noch was ist, was vielleicht lange schon ungeklärt zwischen pat. und angehörigen schwebt und niemand traut sich den faden aufzunehmen, um das dilemma aufzulösen. Oder sind die sehr unbestimmten ängste, die dann besonders aufsteigen. So ist vielleicht auch zu erklären, warum oft ein leben zuende geht, wenn grad keine angehörigen anwesend sind. Dass das gehen gerade dann am leichtesten war. Die schwester der intinsivstation bestätigte mir, dass das ganz oft so geschehe.

    Der tod zeigt nicht oft sein menschenfreundliches und gütiges gesicht.
    Er zeigt sich sogar in doppelter form, wenn's einen womöglich sehr jungen patienten gibt, der dringend ein gesundes organ zu weiterleben braucht und wenn er das leben eines anderen zu dem zweck definitiv beendet.

    Das eine wird das andere niemals aufwiegen können ....

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  • bruminchen
    antwortet
    Ich denke Du hast das richtig beschrieben mit dem "nicht los lassen wollen oder können".
    Anfang diesen Monats stand auch ich vor der für mich absolut schwierigsten Entscheidung meines Lebens.
    Trotz Patientenverfügung hätte ich, wenn ich gewollt hätte, meine Mutter doch noch weiter intensivmedizinisch
    behandeln lassen können. Es wurde mir gesagt, dass diese Verfügungen recht schwammig ausgelegt sind,
    dass evtl. diese Behandlung ja doch noch zu einer Besserung bis hin zur Genesung beitragen kann.
    Ich gebe gerne zu, dass auch ich Bruchteile von Sekunden erwägt habe es doch zuzulassen,
    ganz einfach weil ich wusste, wenn ich dies nicht tue, wird meine Mutter sterben.
    Der Gesundheitszustand war schon länger schlecht, dennoch kam es für mich wirklich Knall auf Fall,
    Donnerstags nachmittags kam sie ins KH, ich dachte wirklich man könnte medikamentös noch mal
    das Ruder rumreißen, Freitag um 13.35 war meine Mama tot.
    Ich will nur sagen, es war unendlich schwer für mich die Behandlung zu verwehren, obwohl ich
    wusste sie wollte es so.
    Da stehen auf einem Dokument Unterschriften, in dem Fall die meiner Mutter, meine auch, ganz sachlich dazu noch die Beglaubigung einer
    Behörde, dies alles steht dann aber einem absoluten Gefühlschaos entgegen, man möchte nicht
    das es vorbei ist, auch wenn der Verstand einem sagt es ist das beste so.

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  • Apfelfee
    antwortet
    Liebe rip
    Ich hatte gelegenheit, völlig ungestört noch 2 stunden mit ihm allein bleiben zu können. Das war einerseits seltsam, den noch warmen körper spüren zu können und noch die beweglichkeit der hände z.b. zu spüren. Nun, da sich alle körperspannung gelöst hatte, wurde sichtbar, was für ein stattlich grosser mann mein vater war, nichts beugte ihn mehr, nichts krampfte ihn. Ich hab ihm das gesicht und hände gewaschen, haare gekämmt ... Fremd aber notwendig war der gebundene unterkiefer - der kieferapparat erstarrt als allererstes.
    Ich arbeite in einen Beruf wo ich auch sehr oft mit diesen " friedvollen Tod " in berührung kommen , diese Menschen sind sehr alt und sie wissen sie kommen zu uns und sie werden in diesem Haus sterben. Sehr oft sind beim sterben die Angehörigen dabei , sie sitzen alle bei ihrem geliebten Menschen , sie halten die Hand bis sie den letzten Atmenzug machen .Sie sind hinterher sehr Dankbar das sie z.b ihren geliebten Mann oder auch Vater bis zum schluß begleitet haben. Und auch danach ist es bei uns im haus so , das die angehörigen noch allein mit ihm sein können , sie dürfen auch wenn sie es können und möchten bei der " Waschung" dabei sein und helfen. Für mich war es am Anfang nicht so einfach , diesen toten Körper zu berühren / zu drehen / es machte mir angst ...zumal ich auch immer wieder finde ,das ihr Gesicht wenn das " Leben " aus ihnen geflogen ist ,sich sofort verändert und mir erschien es immer sehr sehr fremd ...

    Viele Menschen und auch die angehörige bei uns sagen uns ihren Wunsch das wenn es soweit ist , keine ärztlichen maßnahmen mehr gewünscht werden das wird dann mit dem arzt besprochen und dokumentiert und diese Wunsch wird respektiert , diesen Menschen sind alt und sie möchten sterben !!
    sie sind entscheidungsfähig und es ist ihr Wunsch!

    Was die Patientenverfügung betrifft habe ich schon oft gehört oder erlebt das diese von ärzten übergangen wird oder auch von Familienangehörigen , das sie obwohl der Mensch keine Lebensverlängernden maßnahmen wünscht , es doch getan wird . Geht es da darum das die Angehörigen nicht " loslassen " können oder wollen? Denn der Wunsch ist ja ganz klar geäussert um Verantwortung kann es da ja nicht gehen oder?
    Zuletzt geändert von Apfelfee; 12.06.2012, 13:14.

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  • sternenkucker
    antwortet
    Es kann einem auch die Entscheidung zur Organspende leichter gemacht werden,wenn in seinem Umfeld ein 16 jähriges Mädchen unbedinngt ein neues Herz benötigt.Das Herz kam zu spät , das Mädchen ging den Weg des Regenbogens.Für mich und meine Familie, war die Entscheidung zur O.spende, danach sehr einfach.

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  • rip.michael
    antwortet
    Carehim ...
    Noch nach mal nachgehakt wegen festlegungen in einer patientenverfügung - wenn ich schon das thema hier mitanpinne.

    Ich war auch für's erste sehr überrascht und fühlte mich ein bisschen überfahren (der besonderen emotionalen situation geschuldet ...), dass nicht der ausschliesslich der wille des verfügenden patienten massgeblich ist, sondern die einbindung von angehörigen erfolgt, einschliesslich endgültiger entscheidung derer.
    Aber das ärzteteam und das pflegepersonal hat sehr einfühlsam und dennoch mit klaren worten die situation und den dringenden entscheidungsbedarf dargestellt, ohne zeitlichen druck zu machen. Das gab gelegenheit, das ganze zu überdenken und die einsicht kam bald, dass es wohl auch nicht völlig eingängig gewesen wäre, wenn man mich als nahe angehörige völlig aus der entscheidung herausgelassen hätte, eben nur eine mitteilung erfolgt wäre, es passiert jetzt das oder jenes.

    Mein dad hat seine patientenverfügung zusammen mit seiner hausärztin und in meinem beisein verfasst, in völliger klarheit seiner wünsche und die konsequenzen.

    Und trotzdem kam dieser überraschungsmoment für mich - aber die entscheidung gegen die HL-maschine war keine überstürzte und voreilige, nur um die entscheidung hinter mich zu bringen. Ich bin froh, dass ich sie im einklang mit den wünschen meins vaters treffen konnte.

    Und wie es so oft passiert, er starb, nachdem ich eine stunde etwa zu hause war. Aber, und das war so wahnsinnig wichtig, es war möglich, auf welcher ebene auch immer, dass da nichts unklares zwischen uns stand, frieden gemacht werden konnte, mit dem was war, was ist und was als letztes bevorstand. Ich hatte gelegenheit, völlig ungestört noch 2 stunden mit ihm allein bleiben zu können. Das war einerseits seltsam, den noch warmen körper spüren zu können und noch die beweglichkeit der hände z.b. zu spüren. Nun, da sich alle körperspannung gelöst hatte, wurde sichtbar, was für ein stattlich grosser mann mein vater war, nichts beugte ihn mehr, nichts krampfte ihn. Ich hab ihm das gesicht und hände gewaschen, haare gekämmt ... Fremd aber notwendig war der gebundene unterkiefer - der kieferapparat erstarrt als allererstes.

    Zum schluss, ich bin nicht sicher, ob die erklärungen in einer patientenverfügung vom gesetzgeber inzwischen als unbedingt bindet festgelegt sind. Und somit dritte im akuten fall kein einspruchsrecht hätten. Im Februar war das offensichtlich nicht der fall.

    Auch da wird wohl immer ein zwiespalt bleiben: die einen werden froh sein, nicht zur entscheidung herangezogen zu werden, die anderen legen nach wie vor wert auf ein eingebunden sein in einen entscheidungsprozess.


    Liebe carehim, ich kann es nachfühlen, wenn dich meine vorherige schilderung etwas beunruhigte.
    Man rechnet nicht unbedingt damit, selbst entscheiden zu müssen.
    Da hilft nur, mit seinen lieben bei zeiten und ohne druck drüber reden, dass im fall der fälle sie ganz ruhig und bewusst in eine entscheidung gehen können. Die einigung und das annehmen sollte schon vor eintritt des ernstfalls erfolgt sein.
    Auch das ist für mich ein teil dessen, einen geliebten menschen in vollkommenem frieden gehen zu lassen.

    Der tod meines vaters hat ein friedliches feld unterlassen, auf dem jetzt schon so allerhand spriesst ...
    Der tod meiner mutter vor mehr als 20 jahren hat einen traumatischen krater hinterlassen. Sie starb völlig unerwartet für alle auf dem OP tisch - keine chance in den letzten gemeinsamen raum zu gehen, für eine friedvolle weile.
    Es dauert wohl noch, bis der krater eingeebnet ist.

    Der tod ist vielfältig.
    Ich hoffe und wünsche, dass Michael zeit seines lebens diesen letzten raum gestaltet hat, mit allem, mit was er ihn gefüllt sehen wollte und loslassen konnte, was ihn bedrückte.
    Das wünsche ich absolut jedem.

    Edit:
    Nefsche, danke für deinen pharmazeutischen blickwinkel!
    Zuletzt geändert von rip.michael; 12.06.2012, 10:13. Grund: edit

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  • Nefsche
    antwortet
    Zitat von ANGEL-OF-PEACE Beitrag anzeigen
    Danke Dir für die Aufklärung! Würde mich freuen, wenn uns jemand aus der Pharmaindustrie darüber aufklären könnte.
    Sorry... hab ich zu spät/erst jetzt gesehen... Die Frage kann ich Dir gerne beantworten - auch wenn es hier ein wenig OT ist...


    Es kostet schon ein paar Miliarden nur alleine einen Wirkstoff zu erforschen.... Dann ist aber NUR der Wirkstoff vorhanden - nichts weiter... Danach muss man erst einmal die Richtige Galenik finden -
    soll heissen - wird es eine Tablette - Tropfen... etc pp - da muss man dann darauf achten, dass der Wirkstoff seine Wirkung schnell entfaltet ... Das er keine argen Nebenwirkungen entwickelt etc...
    dass es eine nicht zu unangenehme Einnahme wird ... Also zum Beispiel die Tabletten nicht zu gross werden

    Dann hast du ein Medikament ! Hurra? Nö... Nu darsft erst einmal ein paar Studien durchführen ... soweit ich weiss mind. 3! (Die Probanden möchten auch bezahlt werden... ) Bis dahin hast du schon
    ein Vermögen ausgegeben... Doch so gesehen, kannst du damit auch noch nichts anfangen... Die WHO (WeltGesundheitsorganisation) muss das Medikament erst zulassen...
    Gehen wir mal von Günstigsten aus - dass die WHO nichts zu meckern hat und das Medikament gleich zulässt... Dann hast du ein Medikament.... Gratulation... Doch um es an den Mann/die Frau zu bringen
    brauchst du jetzt noch Pharmareferenten ...da du für verschreibungspflichtige Medikamente keine öffentliche Werbung machen darfst ... Die müssen auch erst einmal ausgebildet werden - eine Produktschulung
    bekommen - diese dauert meist 4 - 6 Wochen...

    Dann hast zu zehn Jahre Zeit Deine Kosten wieder reinzuholen - und was zu verdienen.... da dann dein Patentschutz abläuft und viele Firmen sogenannte Generika anfertigen können - soll heissen, die kaufen
    Dein Rezept und stellen dein Medikament her - verkaufen es dann billig (hatten ja auch die ganzen Kosten der Findung/Herstellung nicht)

    Das mal so vereinfacht ausgedrückt ...

    Ich finde es übrigens Skandalös, dass die meisten forschenden Firmen sich das mehr und mehr sparen - dank der Gesundheitsreform... Ein Beispiel: Sanofi hat ein Insulin auf den Markt bebracht, welches man
    u.a nur einmal am Tag spritzen muss - wo es kein Spritz/Eßabstand gibt, Eines was verträglicher ist und nachfolgende Krankheiten minimiert (wie die sogenannte Scheibchenamputation) und was sagt die Kasse?

    Die Kosten dafür übernehmen wir nicht - es das Schweineinsulin hilft ja auch (welches jedoch all die Nachteile hat) - Sanofi musste dann die Linie (bestehend aus 500 Pharmareferenten) wieder auflösen...
    Diese 500 Pharmareferenten waren jeweils mit einem Wagen, Laptop und Handy ausgestattet... vom Gehalt einmal abgesehen...

    Ich finde das eine Sauerei auf mehrfacher Linie: Die meisten Patienten wissen gar nicht, dass es ein Medikament gibt, welches die Lebensqualität erhöht - und wenn sie es wissen, können sie es sich nicht leisten,
    da die KK die Kosten nicht übernehmen... Gerade in diesem Falle schlägt es dem Fass dem Boden aus - jeder Diabetiker weiss wovon ich rede ...


    Und da wundert man sich, dass die meisten Firmen nicht mehr forschen - wir langsam wieder eine Mittelaltermedikamentation entgegen gehen... Skandalös, wenn man mich fragt ....

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